Eddie Vedder

Into The Wild (Music For The Motion Picture)

Veröffentlicht: 14.09.2007 / J Records / SonyBMG

Von: Thomas Kröll

Eddie Vedder

Seit 17 Jahren kennt man Eddie Vedder als Sänger und Frontmann von Pearl Jam. Über 60 Millionen Alben hat er in dieser Zeit mit der Band weltweit verkauft und nicht umsonst gelten Pearl Jam als eine der erfolg- und einflussreichsten Formationen der jüngeren Musikgeschichte. Trotzdem wandelte Vedder zwischendurch auch immer mal wieder auf Solopfaden, wenn auch nicht sonderlich intensiv. Interessant wurde es insbesondere immer, sobald der Schauspieler und Regisseur Sean Penn mit ins Spiel kam.

So schrieb Vedder für "Dead Man Walking" von 1995 (Regie: Tim Robbins) das Titelstück (featuring Nusrat Fateh Ali Khan) und den Song "Long Road". Für "I Am Sam" (2001) coverte er "You`ve Got To Hide Your Love Away" von den Beatles. In beiden Filmen wirkte Sean Penn in der Hauptrolle mit und erhielt jeweils eine Oscar-Nominierung als "Bester Schauspieler". Wie man hört, war es sein persönlicher Wunsch, dass Eddie Vedder für sein neuestes Regiewerk "Into The Wild" die Musik schreiben sollte. Und der ließ sich nicht lange bitten. Neun brandneue Songs (plus zweier Coverversionen) sind das nun vorliegende Ergebnis. Damit erfüllt Eddie Vedder sich und allen Pearl Jam-Fans mit 42 Jahren dann doch noch den Wunsch nach einem Solo-Album.

Der Film "Into The Wild" basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von John Krakauer aus dem Jahre 1996. Erzählt wird die wahre Geschichte des jungen Christopher J. McCandless (dargestellt von Emile Hirsch), der seine sichere Existenz in der Mittelklasse gegen ein Leben in der Wildnis von Alaska eintauscht. In den USA feiert "Into The Wild" am 21. September offizielle Kinopremiere, wir müssen uns leider noch bis Ende Februar 2008 gedulden.

Der Soundtrack ist musikalisch hoch-atmosphärisch und die Texte so lyrisch, wie man es von Eddie Vedder wohl erwarten durfte. Das beherrschende Thema der Songs ist natürlich Freiheit. Mit 33 Minuten hat das Album jedoch nur eine bescheidene Länge. Dafür kommt es als schickes Digipack mit einem fetten Booklet daher. Das Ganze wirkt fast wie ein kleines Buch. Das Booklet bietet neben allen Texten zahlreiche stimmungsvolle Bilder aus dem Film. Aufgenommen wurde "Into The Wild" von Adam Kaspar, Eddie Vedder fungiert als Co-Produzent. Kaspar zeichnete in der Vergangenheit bereits für die Aufnahmen der Pearl Jam-Alben "Riot Act" (2002) und "Pearl Jam" (2006) verantwortlich. Das Artwork entwarf mit Brad Klausen ebenfalls ein alter Bekannter. Im übrigen gemeinsam mit Eddie Vedder, der dafür allerdings seinen Alias-Namen "Jerome Turner" benutzt. Das Foto des Back-Covers (eine Silhouette von Vedder am Strand) machte niemand Geringerer als der bekannte Rockfotograf Anton Corbijn (u.a. Springsteen, Stones, R.E.M., Metallica, U2). Eine illustre Schar also. Gewidmet ist das Album Vedders Freundin Jill McCormick und seiner Tochter Olivia.

Herausragendes Stück für mich persönlich ist die erste Singleauskopplung "Hard Sun", ein Duett mit Corin Tucker (Ex-Sleater Kinney), welches sich mit seinem Refrain sofort dauerhaft im Ohr festsetzt. Die Originalversion wurde von Gordon Peterson geschrieben und erschien auf dem Album "Big Harvest" von Indio (1989). Mit 5:22 Minuten ist "Hard Sun" das vermeintlich längste Stück des ganzen Albums. Wäre da nicht noch "Guaranteed". Eigentlich nur 2:40 Minuten lang, setzt der Song nach weiteren 2 Minuten Pause mit Melodie und dem gesummten Text nochmals für erneut 2:40 Minuten ein und erstreckt sich so auf insgesamt stolze 7:20 Minuten. Das zweite Cover ist "Society", im Original von Jerry Hannan, einem irisch-amerikanischen Songwriter, der hier auch den Gitarrenpart und die Backgroundvocals übernimmt.

Die übrigen Kompositionen stammen aus Vedders Feder. Der Opener "Setting Forth" versprüht einen rauen Charme und ist ein durchaus fröhlicher Auftakt. Überwiegend sind die Songs aber sparsam instrumentiert und entsprechend ruhig. "Into The Wild" ist ein sehr stiller Soundtrack, der von der Akkustikgitarre und Vedders unverwechselbarer Stimme getragen wird. Mit "No Ceiling", "Long Nights", "Society" oder "Guaranteed" bewegt er sich dabei in der Tradition solcher Größen wie Bob Dylan, Cat Stevens oder Lee Hazlewood. "Far Behind" erinnert im Intro ein wenig an die Beatles. Vedder klingt hier fast schon wütend. "End Of The Road" bietet den einzigen Hauch einer elektrisch verstärkten Gitarre und in "Rise" begleitet er sich selbst auf der Ukulele. Dazu kommen noch zwei Instrumentalstücke. Das akkustische "Tuolumne", dessen Anfang verdächtig nach Kansas` "Dust In The Wind" klingt und "The Wolf", bei dem Vedder zu einer Orgelmelodie in einer Art indianischem Singsang schreit und heult.

Fazit: Die einen mögen es Lagerfeuerromantik nennen, ich für meinen Teil finde "Into The Wild" sehr homogen und entspannend. Man muss sich zwar reinhören (sofern das bei der Länge so bezeichnet werden kann), aber dann entfaltet das Album seine volle Schönheit. In Verbindung mit Bildern des Films stelle ich mir das sehr stimmig vor. Leichte Abzüge gibt es lediglich für die Kürze und damit ich nicht wieder in den (General-)Verdacht gerate, alles durch die rosarote Pearl Jam-Brille zu beurteilen. Trotzdem bin ich schon jetzt gespannt, ob wir eines der Stücke aus "Into The Wild" auf deren nächster Tour wiederhören...   

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