Ukulele Songs

Mit seiner Band Pearl Jam schreibt Eddie Vedder seit 1991 Musikgeschichte. Das Quintett aus Seattle hat als eine der wenigen in der Grunge-Asche überlebt und feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum. Aber auch ohne die Band im Rücken hat der 46-Jährige immer wieder mit Soloprojekten auf sich aufmerksam gemacht. Zuletzt mit dem Titelsong zum Film "Eat Pray Love", im besonderen aber sicherlich mit dem Ende 2007 veröffentlichten "Into The Wild"-Soundtrack, für dessen Song "Guaranteed" er eine Golden Globe- und Grammy-Nominierung erhielt. Im April 2008 folgte die erste Solo-Tour, von der zwei Auftritte übrigens auf der zeitgleich erscheinenden DVD "Water On The Road" dokumentiert sind. Wer schon einmal auf einem Pearl Jam-Konzert war, der weiß, dass Vedder eine spezielle Vorliebe für ein ganz bestimmtes Instrument hegt: die Ukulele, mit der er ab und zu ein kleines Pre-Set zur Eröffnung spielt, bevor die Band es dann krachen lässt. Sie hat sogar einen Kosenamen: Luke, the Uke.
Ursprünglich sollen portugiesische Einwanderer die Ukulele im 19. Jahrhundert nach Hawaii gebracht haben, und hier schließt sich für Vedder so etwas wie ein Kreis. Denn der leidenschaftliche Surfer verbringt seine freie Zeit gerne auf der Inselkette im Pazifischen Ozean, um wahrscheinlich am Strand sitzend, die Rotweinflasche(n) neben sich, mit Freunden - vielleicht Surfer-Legende Kelly Slater oder Songwriter Jack Johnson - den Sonnenuntergang zu begießen. In Deutschland war es wohl vor allem Stefan Raab, der mit seinen unvergessenen Raabigrammen der Ukulele zum Durchbruch verhalf. Von einer Surfer-Passion ist mir bei ihm allerdings nichts bekannt.
Was also lag für den Pearl Jam-Sänger näher, als ein Album herauszubringen, auf dem er sich selbst ausschließlich mit der Ukulele begleitet, unterstützt von ein paar dezenten Streicherarrangements. Trefflich benannt hat er das Ganze dann auch gleich "Ukulele Songs". Der Mann, der schon mit Bad Religion, Neil Young, The Strokes oder The Who zusammenarbeitete und Präsident des Ramones-Fanclubs ist, macht Lagerfeuermusik. Das klingt auf den ersten Blick spannend. Einige Leute werden mir an dieser Stelle Majestätsbeleidigung vorwerfen, aber bei näherem Hinhören ist "Ukulele Songs" leider alles andere als das.
Wohlwollend könnte man sagen, dass sich hier ein Rockstar auf sich selbst und seine zweifellos außergewöhnlichen gesanglichen Qualitäten reduziert. Frei nach dem Motto: Der Song ist der Star. Dummerweise wirkt das auf die Dauer von 16 Songs doch recht eintönig, auch wenn das Album mit 34 Minuten und 39 Sekunden vergleichsweise kurz ausgefallen ist. Bereits beim Opener "Can`t Keep", vom Pearl Jam-Longplayer "Riot Act", wird der ein oder andere Hardcore-Fan womöglich ein kleines bisschen zucken, wenn er an das Original denkt. Der Song hat trotzdem das, was dem Rest der "Ukulele Songs" grösstenteils abgeht: Eine gewisse Portion Überraschungseffekt. Aber schon der Titel des darauffolgenden "Sleeping By Myself" wird gewissermaßen zum Programm für das, was da noch kommt. "Without You", "More Than You Know", "Goodbye", "Satellite" oder das schaurige Everly Brothers-Cover "Sleepless Nights" (mit Glen Hansard von The Swell Season als zweiter Stimme) laden zum willkommenen Ausgleich des permanent vorhandenen Schlafdefizites ein, welcher lediglich für kurze Momente unterbrochen wird.
Einer dieser Momente ist "Broken Heart", an dessen Ende Eddie Vedder so etwas ähnliches wie Rock macht. Ukulele-Rock. Ein ganz neues Genre. Auch die erste Single "Longing To Belong" ist gelungen, ebenso wie die weitere Pearl Jam-Adaption "You`re True", das sehr schöne "Light Today" und "Tonight You Belong To Me", bei dem Cat Power als Vedders Duettpartnerin zumindest etwas Leben in die Bude bringt. Was der sich hingegen bei den 8 Sekunden "Hey Fahkah" und den 36 Sekunden "Waving Palms" gedacht hat, erschließt sich mir selbst nach mehrfachen Hördurchgängen nicht. Ganz zum Schluss versucht er sich beim Klassiker "Dream A Little Dream" noch an einer Tom Waits-Imitation, die ihm halbwegs gelingt.
Positiv erwähnenswert ist das tolle Artwork. Ansonsten jedoch fehlt "Ukulele Songs" jener Charme und jene musikalische Tiefe, die beispielsweise "Into The Wild" noch ausgemacht hat. Eddie Vedders Solowerk lebt hauptsächlich von seiner unverwechselbaren Stimme. Wenn diese aber wie hier auf ein zunehmend nerviges gitarrenähnliches Zupfinstrument trifft, dann passt diese Kombination vielleicht vier oder fünf Songs lang, aber nicht auf Albumlänge.