End Times

Nachdem die Eels mit "Hombre Lobo" erst vor gut sechs Monaten ihr letztes Album veröffentlichten, folgt nun mit "End Times" bereits das nächste kleine Meisterwerk. War es vorher noch rockiger und rauer geht es auf "End Times" melancholischer zu. Mastermind Mark Oliver Everett alias E holte seine alte 4-Spur-Maschine raus und nahm das auf was ihn bewegt. Verlust, Schmerz und vielleicht auch ein klein wenig Hoffnung.
"End Times" ist Everetts ganz persönliche Therapie, um das zu verkraften, was eine Trennung nach sich zieht. Die Platte beginnt schwermütig, mit einem Rückblick auf Vergangenes. Wer kennt das nicht, die schönen Dinge einer Beziehung, der Anfang, das Fallenlassen, die Geborgenheit?! "The Beginning" ist dabei so schön wie traurig und überträgt ein sehr warmherziges Gefühl. Andere Stücke setzen die Melancholie, das Zurückschauen und das Leiden fort. "In My Younger Days" oder "A Line In The Dirt" versuchen auszudrücken, wie sehr einem der Partner fehlt und welch Leid Seele und Herz durchleben. Doch auch E weiß genau, dass andere Zeiten kommen müssen und kommen werden. So entstehen zwischendurch immer mal wieder kleine Hoffnungsschimmer auf ein Weiterleben. "Gone Man" blickt da schon auf eine andere Art und Weise zurück und ist dementsprechend musikalisch auch flotter angelegt. Obwohl man sich alleine fühlt, ist man es nicht. "I'm not the only one who's feeling this pain". Sätze, Textzeilen, die schon oft gesungen und gesagt worden sind und einen doch irgendwie ermutigen können. Selten habe ich textlich ein so stark mit dem Begriff Verlust verbundenes Album erlebt. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass nicht jeder Typ Mensch gerne dem Leid anderer zuhört. Für viele aber ist es gerade das, was einen aufbauen kann. Dass jemand das ausdrückt was man fühlt, verpackt in schöne Melodien.
Everett nahm "End Times" im Alleingang auf. Zog sich zu Hause zurück und stellte die alte 4-Spur-Machine auf Record. 14 Tracks sind so zusammengekommen. Viele davon, wie erwähnt, sehr einfach, melancholisch und ruhig. Doch auch bluesigere Rhythmen sind auf "End Times" vorhanden. "Gone Man" zeigt da am Anfang schon andere Töne als der Opener "The Beginning". "Paradise Blues" verrät schon im Titel den bluesigen Charakter. Ein Stück welches sich inhaltlich nicht abwendet vom Thema Verlust, aber einen anderen Umgang beschreibt, etwas energischer und entschlossener rüberkommt. Doch im nächsten Track wird man wieder eingeholt von den Gedanken, die jeder kennt. "Wants to hear you say just 'How ya' doing' and 'Have a nice day'" heißt es in "Nowadays". Einfache Textstellen, die so viel bedeuten können. "Unhinged", was übersetzt "aus dem Gleichgewicht bringend" heißt, beschreibt das nächste Kapitel der Trennungsphase. "Little Bird", als Vorabdownload schon im Netz vorhanden, hat in all dem Schmerz diesen einen typischen Eels-Melodie-Wiedererkennungswert. Bittersüß wie E den kleinen Vogel beobachtet und vor sich hin philosophiert. "On My Feet" ist zum Abschluss von "End Times" dann zum Glück ein Song, in dem nach Vorne geschaut wird. Das Ziel ist klar, der Weg auch – es braucht nur Zeit. Irgendwann wird alles wieder gut, doch jetzt ist E ein gebrochener Mann und das gibt er auch zu.
Jedes Eels Album stand für sich und immer hatte Everett was Neues im Ärmel. Mit diesem Album polarisiert Mister E wohl am meisten. Er selbst ist auf alles vorbereitet, sagt er in Bezug auf die Reaktionen der Hörer. Selten habe ich so eine emotionale Platte gehört, in der ein Künstler sein Privates so ausdrucksstark und einfach nach außen bringt. Für einige sicherlich zu viel Schmerz und Kummer, für die anderen genau richtig. "Goddamn I miss that girl". Um es mit den Worten Kettcars zu sagen: "Nur gibt es hier einen, der kannte das auch. Und wünscht Glück."