Tomorrow Morning

Nach dem ungezügelten Rock von "Hombre Lobo" (05/2009) und dem kraftvollen Trümmer-Blues von "End Times" (01/2010) schenkt uns Mark Oliver Everett, alias E, das dritte reguläre Eels-Album innerhalb von 15 Monaten. Der umtriebige Daniel Düsentrieb des modernen Popgeschäfts richtet seinen Blick nach verkopften und dunklen Jahren nach vorne und begräbt seine immer noch durchschimmernden Grübeleinlagen unter meterdicker Zuversicht. Ein Schlusspunkt unters Konzept. Der Baum steht erwachsen, in voller Pracht und tiefen, sturmfesten Wurzeln. E liebt wieder und genau dafür kann man ihn im faltenfreien Umkehrschluss nur lieben.
Die Sprache von "Tomorrow Morning" deutet bereits darauf hin, dass E mit der Schicksalsbewältigung vorerst abgeschlossen hat. Wer mit sich und seinen Lebensumständen im Reinen ist, pfeift aufs Urteil ("Baby Loves Me") unwichtiger Mitmenschen. Everett bettet dieses neue Selbstverständnis in typische Eels-Gitarren und allerlei Elektronik. Beim ersten Durchlauf mögen die verspielten Computermomente noch stören, mit der Zeit entsteht durch sie jedoch das passende, farbenfrohe Bild zum momentanen Punkt im Leben der Eels und ihrer kreativen Triebfeder namens E.
Songs wie "What I Have To Offer" stellen kleine Grüblereien weiterhin in den Vordergrund, folgen können ihnen allerdings auch diejenigen, die ihr Glück schon gefunden haben und dies von Zeit zu Zeit immer noch nicht fassen können. Mark Oliver Everett verdingt sich weiterhin am eklektischen Songwriting. Klanglich reiht sich der Songzyklus namens "Tomorrow Morning" irgendwo zwischen "Hombre Lobo" und "End Times" ein. Was neu ist, ist der latente Hang zur universellen Positivierung.
Ab jetzt wird alles gut. Man hofft es für E, traut dem Braten bei aller Klangfreude und Zuversicht jedoch nicht bis zum finalen Happy End über den Weg. Die Großwetterlage im Eels-Land hat zurzeit viel Sonne und zahlreiche pittoreske Momentaufnahmen ("Looking Up"). "Tomorrow Morning" ist ein positives Album, das man E von Herzen gönnt. Ein Pflasterstein auf dem Weg zum glücklichen Dasein. Momentan ist Everett dort angekommen, wie lange er verweilt – beziehungsweise verweilen darf –, muss abgewartet werden.