High Hopes In Low Places

Die Düsternis ist angesagt zur Zeit. Schwer angesagt! Sie hat die Trivialliteratur erreicht und die Hollywoodmaschine. Picklige Teenager und ihre Mütter stehen einträchtig in Bekenner-T-Shirts Schlange an den Kinokassen. Stars werden gemacht – und Millionäre auch. Beste Vorzeichen eigentlich für Berufsmelancholiker wie End Of Green, ein Stück vom Kuchen abzubekommen...
Den fünf Schwaben eilt ein guter Ruf voraus, spätestens seit sie 2008 mit "The Sick’s Sense" Rang 21 der deutschen Album-Charts erklommen haben. Und in bester Schaffeschaffe-Häuslebaue-Manier zimmern sie an einer soliden Karriere im Dark Wave/Dark Metal-Genre, die mit "High Hopes In Low Places" ihren vorläufigen Höhepunkt findet.
Fett ist das Album geraten, groovend, treibend, melodiös und Airplay-tauglich! Es ist superprofessionell aufgenommen und überzeugend produziert. Schleppend-Schweres wie der Opener "Blackened Eyes" wechselt sich ab mit punchenden Nummern wie "Goodnight Insomnia", "Under The Sway" oder "Slaves". Alles getragen von einem gewaltigen Pathos und bisweilen angereichert mit dramatischen Keyboards.
Wer sich vorstellen möchte, wie "High Hopes In Low Places" klingt, der hole einfach "One Second", Paradise Lost’s Meisterwerk von 1997, aus dem Schrank. Das ist die Mater, aus der die Grundstimmung und die Grooves gegossen werden. Die Refrains denke man sich deutlich poppiger, durchaus das Herzschmerz-Level von HIM erreichend. Zielsicher greifen End Of Green überall die erfolgversprechenden Elemente heraus und mischen daraus den massenkompatiblen Maximalkonsens. Von wegen "Fuck You-Attitüde", wie uns die Promo glauben machen will! Das hier ist knallhartes Produktdesign, professionell wie "beim Daimler".
Durchgestylt ist auch das Erscheinungsbild der Band – bis hin zu den Namen. Nun weiß ich nicht, wie Schwaben ihre Kinder so nennen, aber End Of Green ziehen es vor, sich mit Künstlernamen wie "Michelle Darkness" oder "Lusiffer" zu zieren. Das machen die Genrekollegen von Type O Negative ja auch, aber spätestens bei "Sad Sir" (so möchte der Gitarrist gerne heißen) schaltet mein vegetatives Nervensystem in den Fremdschäm-Modus. "Sad Sir"! So schlimm kann doch kein echter Name sein (ICH darf so was sagen...), dass man zu solch einem dämlichen Pseudonym greifen müsste. Bei aller Imagepflege, irgendwie erinnert das an die Unbeholfenheit deutscher Bands während der Krautrock-Aera.
Doch zurück zum Wesentlichen, der Platte! End Of Green und ihre Tonkutscher haben sich große Mühe gegeben, einen großen Wurf zu landen, und das hört man auch! Das Produkt ist stimmig und massentauglich. Das einzige, was man monieren kann, ist der völlige Mangel an Originalität – nichts auf diesem Album hat man noch nicht irgendwo anders gehört. Womöglich auch eine zwangsläufige Konsequenz zu enger Genre-Grenzen? Andererseits: 50 Jahre Rockgeschichte haben wohl auch nicht viel übrig gelassen, was noch zu erfinden wäre.