Neue Helden braucht das Land

Die Erste Allgemeine Verunsicherung machte sich in Deutschland vor allem zu NDW-Zeiten einen Namen, als sie mit Songs wie dem "Alpen-Rap" und den Chartbreakern "Ba-Ba-Banküberfall" sowie "Märchenprinz" ordentlich Airplay bekamen. Mit NDW hatte das zwar absolut nichts zu tun, aber wer vorbei fahrende Züge erkennt und aufspringt fährt ja bekanntermaßen auch ganz gut. Es folgten weitere Singleerfolge, die gerne auch mal mit Vorurteilen Europas gegenüber Österreich kokettierten ("Küss die Hand, schöne Frau"). Nach dem Höhenflug gab es Anfang der 90er eine kurze Pause, nach der man an die alten Erfolge nicht mehr anknüpfen konnte. Ehrlich gesagt war mir auch nicht bewusst, dass es danach neue Alben der EAV gab. Viel zu viele Helden der 80er machen doch seither ihre Tour durch die Dorfdiscotheken und nudeln ihre alten Hits ab.
Die EAV ist nun also auf der Suche nach "Neuen Helden". Und das mit einer gehörigen Portion Ironie, wo diese doch schon auf dem Cover gleich den Kopf in den Sand stecken. Textlich nehmen EAV wie seit jeher kein Blatt vor den Mund. Gesellschaftskritisch und politisch – so muss man das wohl nennen. Es gab und gibt ja auch genug anzuprangern in Österreich und den Nachbarstaaten. "Dummheit an die Macht" geißelt beispielsweise den laschen Umgang mit Wirtschaftskrise und Klimawandel, ebenso wie "Rabatt, Rabatt", das die menschliche Gier in den Vordergrund stellt. Der Titeltrack widmet sich der Schickimicki-Szene aus Fernsehköchen und Castingstars. Besser kommt da schon "Obama" weg, der wenigstens als tragischer Held vor unlösbarer Aufgabe gezeichnet wird.
Wie alle möglichen gesellschaftlichen Nischen ihr Fett weg bekommen, so ist auch musikalisch eine breite Palette vertreten. "Nostradamus" erklingt sehr martialisch, wie Rammstein oder eine der modernen Mittelalter-Rockbands. "Toleranz" hingegen wird mit jazzigen Bläserklängen versehen. Gegen Ende ("Beim Csejtei im Hof" / "Wie schön wär diese Welt“) wird es gar richtig heimelig.
Bei aller Vielfalt bleiben die Österreicher sich treu und haben den erforderlichen Wiedererkennungswert. Klaus Eberhartinger an den Vocals ist sowieso unverkennbar. Schmerzliche Wahrheiten werden ans Licht gezerrt und in bitterböser Satire verpackt. Schade eigentlich, dass die EAV im Allgemeinen nur durch ihre Spaß- und Nonsens-Songs der 80er bekannt ist. Da gibt es sicherlich noch einiges zu entdecken.
Eine Tour durch Fernsehstudios und Konzerthallen startet in Kürze:
EAV im TV:
10.02.2010 (12:15 h) ARD, Buffet
10.03.2010 (18:00 h) BR 3, Abendschau
EAV auf Tour:
05.03.2010 - Erfurt, Alte Oper
06.03.2010 - Halle/Saale, Steintor Varieté
07.03.2010 - Hamburg, Große Freiheit 36
08.03.2010 - Berlin, Friedrichstadtpalast
09.03.2010 - Dresden, Kulturpalast
12.03.2010 - Heidelberg, Stadthalle
13.03.2010 - Würzburg, Congress Centrum
14.03.2010 - Stuttgart, Liederhalle
15.03.2010 - Freiburg, Konzerthaus
16.03.2010 - Rosenheim, KUKO
18.03.2010 - Mühldorf, Stadtsaal
19.03.2010 - Chemnitz, Stadthalle
20.03.2010 - Niederhausen, Rhein Main Theater
25.03.2010 - Nürnberg, Meistersingerhalle
28.03.2010 - Kempten, Big Box
29.03.2010 - München, Deutsches Theater