Anker

Wie Evan Allmächtig ist Evan Freyer natürlich ein Künstlername und der junge Mann aus Velbert in NRW hat mir sein Album "Anker" zwecks Besprechung bei Musicheadquarter höchstpersönlich zugeschickt. Das Teil kam hier in einer kunstvoll gestalteten Promo-Papphülle an. Natürlich legitim, aber schon schade, denn es erschwert mir die Rezeption dessen, was mir nach mehrmaligem Anhören der CD am besten gefällt: der Texte.
Der Singer / Songwriter ist mit seiner EP "Mistakes Included" lange Zeit durch die Clubs und Festivalstätten in NRW und Norddeutschland getingelt, bevor er nun mit "Anker" sein erstes großes Album in die Waagschale wirft. Zehn Songs plus Hidden Track, zum größten Teil mit deutschen Texten. Spannende Gitarrenmusik – mal sanft, mal rockig, durchaus gut produziert. Das größte Manko sind aber die Vocals. Sorry, Evan: an den ruhigen Stellen (und davon gibt es viele) wirkt die Stimme zu gepresst, schlecht intoniert und gerne mal einen Tick neben dem richtigen Ton. Es gibt aber auch Lichtblicke, sobald es rockiger wird und die Band lautstark unterstützend eingreift ("Immer Wieder"). Zudem gefällt es mir ganz gut, wenn Evan in höhere Tonlagen übergeht ("Anker", "Coversation With Myself").
Ich bin überzeugt davon, dass Evan Freyer live großen Spaß macht und die Bude rockt. Texte über "Hartmut", den Frontman von Pur, und Mister 18 % Guido Westerwelle ("18==100") haben es mir absolut angetan. Es gibt einen Song aus der Sicht des Haustieres mit dem Titel "Der Hund". Und auch "Chewbacca" kommt musikalisch zu Ehren.
Absolut verzichtbar ist der Hidden Track mit einem Ausflug in die elektronische Musik. Da lobe ich mir doch das Handgemachte des restlichen Albums. Fazit: Großes Potential in Songwriting und Lyrics, Defizite bei den Vocals, die aber sicher zu beheben sind. Gerne mal antesten: http://www.evanfreyer.de