Meatsuit

Fallingice bestehen bereits seit elf Jahren. Trotzdem hat das Trio aus Italien mit "Lymph" von 2007 bisher erst eine EP veröffentlicht. Absolut unverständlich angesichts des Potentials, das die Band auf ihrem ersten Longplayer "Meatsuit" offenbart. Da dürfen sich die Leute von UKdivision Records, welche die Band vor zwei Jahren unter Vertrag nahmen, ruhig selbst auf die Schulter klopfen, während die A&R-Vertreter der übrigen Labels offensichtlich tief und fest geschlafen haben. Denn auch wenn Sänger und Gitarrist Vice (der Nachname ist bei allen Bandmitgliedern nicht zu erfahren) auf den Fotos im Booklet aussieht wie eine Kopie von Mick Hucknall, haben wir es hier nicht mit einer weichgespülten Pop-Combo zu tun, sondern mit einer waschechten Alternative Rock-Kapelle.
Produziert wurden die elf Songs auf "Meatsuit" in Pisa und Hollywood. Dabei saß unter anderem auch Tom Baker am Mischpult, der immerhin schon solche Genregrössen wie Helmet, Nine Inch Nails oder Marilyn Manson unter seinen Fittichen hatte. Kein Wunder also, dass die düsteren und fetten Gitarren dominieren. Bei noch unbekannten Bands zieht man ja sowieso automatisch gerne mal Querverweise. Im Falle von Fallingice heißen diese zum Beispiel Nirvana oder Suicidal Tendencies. Irgendwo in deren Spannungsfeld positioniert sich das Trio. Das aber durchaus spannend und vor allem mit einer eigenständigen Note.
Nummern wie "Another Day" oder "Teenage Boy" sind ganz grosser Alternative Rock-Sport. Zwischendurch driften Fallingice auch ein wenig in die Speed Metal-Ecke ab ("Hands In Chains") oder lassen die Gitarren im Stile alter Helden wie Soundgarden oder Alice In Chains durch die Luft kreisen ("Too Bored To Die"). Das Album bietet eine Menge feiner Hooks und abwechslungsreicher Arrangements für alle Freunde der etwas härteren Gangart. Und die Stimme von Vice erinnert nicht nur an die von Kurt Cobain, sondern passt dazu noch wie die Faust aufs Auge. Nur wenn sie - ganz Italiener - einen auf gefühlvoll machen wollen, zeigen Fallingice Schwächen. So sind "Desired" und "Memories" mehr oder weniger zwei Griffe ins Klo.
Das kann den überaus positiven Gesamteindruck aber kaum schmälern. Die Rockszene bringt heutzutage selten mehr Neues hervor, als den ewig gleichen NuRock-Einheitsbrei. Fallingice erfinden das Rad zwar auch nicht neu, wirken im Vergleich dazu aber fast schon wie ein Festmahl. Umso häufiger man "Meatsuit" hört, umso besser wird das Ding. Und das war schon ein Merkmal vieler guter Alben. Eine Europatour soll übrigens auch bereits in Planung sein. Meine Empfehlung!