Erste Liebe / letzter Tanz

Auf dem Albumcover sieht Felix Meyer recht jung aus, doch dann ertönt eine dunkle, verlebte Stimme – wie die von Sven Regener. Allerdings ist es nicht der norddeutsche Songwriter selbst, den wir hier hören, sondern eher ein Nacheiferer, der – wie es heißt – von Haus aus Straßenmusiker war.
Dieses Image pflegt die Band noch immer. Nicht nur in der Instrumentierung mit Banjo, Kontrabass und Akkordeon. Auch in den Texten, die Geschichten erzählen, als wolle ein fahrender Sänger sein immer wieder neues Publikum begeistern. Dabei ist aber klar, dass Felix Meyer und Band immer häufiger die Straße gegen die Bühne – und jetzt natürlich auch das Studio – eingetauscht haben. "Wenn du mit Straßenmusik, wie wir sie seit über 15 Jahren machen, zwischen Esprit und Nordsee, zwischen Montpellier, Dubrovnik und Hamburg deine Bühne ausrollst, dann pulsiert eben dieses halbe Universum und immer auch ein wenig vom ganzen Rest in all seinen Facetten und noch dazu gratis an dir vorbei", bestätigt Felix Meyer den rauen Charme der Straße. "Du siehst Menschliches, Allzu menschliches. Die erbärmliche Freakshow und das ganz große Drama. Aber auch die kleinen Freuden, Sternstunden und das leise Wirken."
"Erste Liebe / letzter Tanz" ist bereits das zweite Album. Und mit 105music hat man nun ein Label gefunden, dass die Eigenständigkeit seiner Künstler zu schätzen weiß und den Mainstream nur vom Hörensagen kennt. Das Album ist sehr facettenreich. Es bietet typische Chansons in deutscher Sprache, ab und zu etwas südländischen Flair, viel Optimismus aber auch mal resignierenden Weltschmerz. Meyers Stimme dringt tief in die Hörer ein.
Nach einem instrumentalen Prolog beginnen die "Zeiten großer Worte". Die Textzeilen sind sehr lyrisch, lesen sich auch ohne Musik wie emotionale Gedichten mit Hintersinn. Streicher begleiten das atmosphärische "Einverstanden", dann wird es reduziert und akustisch bei "Liebe, Dreck & Gewalt". Die schönste Perle finde ich mit "Aus blauem Himmel" am Schluss des Albums. "Ich mag es, wie eure Sprechblasen platzen und vor uns auf das Pflaster klatschen". Das sind Gedankengänge, die perfekt in die heutige Medien-Schwafel-Kultur passen.
Mein Anspieltipp sei aber "Zeiten großer Worte". Hier das Video in einem Kurzfilm: