13th Star

Nach über drei Jahren endlich wieder etwas Neues vom ehemaligen Marillion-Frontman und schon lange erfolgreichen Solokünstler Fish. Sein aktuelles Album „13th Star“ erscheint zunächst in einer limitierten Auflage als Digipack mit Bonus DVD und ist nur über Fishs Homepage zu beziehen. Erst nächstes Jahr wird es in einer einfachen Ausstattung auf dem allgemeinen Musikmarkt erhältlich sein.
Fans wissen, dass Fish während der Entstehungszeit von „13th Star“ in seinem Privatleben einige Höhen und Tiefen durchlaufen hat. Die dramatischsten Wendepunkte waren wohl die Trennung von seiner neuen Liebe Heather Findlay im letzten Jahr, die Versöhnung inklusive Verlobung Anfang diesen Jahres und dann mitten in Aufnahmestress und Hochzeitsvorbereitungen das von Heather ausgehende erneute und endgültige Aus der Beziehung.
An all diesen Entwicklungen und auch deren Einfluss auf das entstehende Album ließ Fish seine Fans in ausführlichen Kommentaren auf seiner Homepage teilhaben – und beweist dabei übrigens auch großes schriftstellerisches Talent. Mit diesem Wissen hört man seinem aktuellen Werk dann auch die persönlichen Einflüsse an und kann nur bewundern, wie der Künstler gerade die Krisen zu beeindruckenden Songs verarbeitet.
Die meisten Songs hat Fish gemeinsam mit Steve Vantsis geschrieben, der als Musiker schon länger mit ihm zusammenarbeitet. Ebenfalls als alte Bekannte sind Gitarrist Frank Usher, Keyboarder Foss Patterson und Percussionist Dave Haswell dabei. Ergänzt wird die Band durch Chris Johnson und Gavin Griffiths von Mostly Autumn. Für Heather Findlay, Angela Gordon und Anne-Marie Helder, die ursprünglich als Background-Sängerinnen geplant waren, sprang kurzfristig Lorna Bannon ein, die bereits auf früheren Alben mitgewirkt hatte und diese Aufgabe bewundernswert meistert.
Nun aber zu den Songs: Der Opener „Circle Line“ ist ordentlicher Progrock, mit vielfältigen Gitarrenklängen, zu denen sich Fish den Frust darüber aus der Seele singt, im Kreislauf des Alltagstrotts gefangen zu sein.
Das folgende „Square Go“ ist auch ziemlich rockig – mit einem durchgehenden Rhythmus, der zwischen den Strophen und im Refrain durch harte Gitarrenriffs verstärkt wird. Das Stück steigert sich über vier Minuten, bietet ein typisches Gitarrensolo, klingt dann aber sanft aus und mündet zum Schluss in ein schönes glockenspielartiges Outro.
Dessen Motiv wird im Intro „Miles De Besos“ vom Piano wieder aufgenommen – eine perfekte Überleitung zu der gefühlvolle Ballade über die Erinnerung an eine schöne gemeinsame Zeit mit dem Wissen um die folgende Trennung. Das ist Fish, wie ich ihn am liebsten mag und zum Glück hat die CD in diesem Stil noch mehr zu bieten.
Zum Beispiel das folgende Stück „Zoe 25“, das mit akustischer Gitarre begleitet von der Sehnsucht nach dem perfekten Partner erzählt, der eigentlich nur in der eigenen Vorstellung existiert. „Zoe, 25, from London“ stellt übrigens eines der berüchtigten Seite 3-Girls der britischen Boulevardpresse dar.
„Arc Of The Curve“ ist wieder ein Song, in dem Fish seine letzte Beziehung verarbeitet - und man kann sich vorstellen, dass die letzte sehnsüchtige Strophe kurzfristig noch ergänzt bzw. geändert wurde.
Das wieder recht rockige „Manchmal“ basiert auf einer ägyptischen Geschichte von einer Schildkröte, die einen Skorpion auf ihrem Rücken mit über einen Fluss nimmt, weil er versprochen hat, sie nicht zu stechen, da sie ja sonst beide untergehen würden. Trotz seines Versprechens sticht der Skorpion die Schildkröte in der Mitte des Flusses doch, „weil es eben seine Natur ist.“ Dass Fish hier versucht, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen aus seiner Sicht zu beleuchten, ist mehr als offensichtlich. Den deutschen Titel verdankt das Stück übrigens Fishs Begeisterung für den Klang des Wortes manchmal.
„Open Water“ ist ein sehr dichter Song, der erfolgreich die Atmosphäre einer dunklen stürmischen Nacht auf offenem Meer vermittelt, wo sich gefühlsmäßig auch der Sänger befindet.
Es folgt „Dark Star“, das sich von einem leisen, erzählenden Anfang allmählich steigert und im kraftvollen Refrain seinen Höhepunkt findet. Nach einem rhythmischen Gitarrensolo und der abschließenden Strophe klingt es dann wieder ruhig aus.
„Where In The World“ beginnt als ruhige Ballade und geht in einen etwas rhythmischeren zweiten Teil über. Fishs Stimme berührt bei diesem Stück besonders, man hört seine ganzen Emotionen heraus.
Noch intensiver spüre ich dies beim abschließenden „13th Star”. Beim Einsingen dieses Songs war Fish stellenweise den Tränen nah und wollte ihn eigentlich (laut Aussagen auf seiner Homepage) nochmal neu aufnehmen. Zum Glück hat es jedoch diese Version auf das Album geschafft, da sie wirklich Gänsehaut vermittelt und Fishs Stimme so eindringlich ist, wie es kaum noch stärker werden kann.
Sterne finden sich übrigens nicht nur im Titel und Titelsong von „13th Star“, sondern tauchen auch in vielen anderen Stücken auf. Das Aufschauen zu den Sternen, die Sehnsucht nach ihnen, die Suche nach dem „einen“ Stern ist quasi ein Leitmotiv, das Konzept des Albums. Überhaupt sind natürlich Fishs großartige Texte der Kern des Werks und man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, sie in Ruhe mit- und nachzulesen. Zeit braucht man für diese Scheibe sowieso, denn sie erschließt sich nicht unbedingt beim ersten Reinhören, wird aber dafür mit jedem Hören besser – wie so viele andere gute und anspruchsvolle Musik auch.
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich das Album schon jetzt in der limitierten Edition zuzulegen. Nicht nur, weil man sonst viel zu lange auf Fishs neuestes Meisterwerk warten müsste, sondern auch wegen der guten Ausstattung. Das dreigeteilte Digipack, das im dekorativen Schuber geliefert wird, entfaltet sich zu einem mal wieder sehr gelungenen Kunstwerk von Mark Wilkinson, der seit „Script For A Jester’s Tear“ mit Fish zusammen arbeitet. Auch die Silberlinge selbst, die Innenseiten der Hülle und das ausführliche Booklet sind von ihm ansprechend gestaltet. Die Bonus –DVD enthält eine Vorschau auf das Onlineportal „Fish-TV“ und ein gut einstündiges Making of des Albums mit vielen Interviews und Aufnahmen der Recording Session.
Den Link zur Online-Bestellung findet ihr HIER.