Communion (Doppel-Live-CD)

Da entsteht schon eine ganz besondere, familiäre Atmosphäre, wenn Fish seine Fans aus aller Welt zu einem der berüchtigten "Haddington Weekends" in seinen schottischen Heimatort einlädt. So war es auch am Wochenende vom 25. bis 27. August 2006. Die Locations, an denen die Konzerte stattfanden, waren zum einen der "Haddington Corn Exchange", eine Art Markthalle, wo am Nachmittag noch ein Trödelmarkt seine Pforten geöffnet hatte, und die St. Mary´s Church, die Kirche, in der Fish im kommenden August Mostly Autumn-Frontfrau Heather Findlay heiraten wird.
Die vorliegende Doppel-Live-CD stammt von dem Acoustic-Konzert, dass im besonderen Ambiente dieser Kirche stattfand. Nur 400 Besucher konnten sich einen Sitzplatz sichern. Natürlich war das Konzert rasend schnell ausverkauft, so dass Fish schließlich auch die "Generalprobe" am Vorabend zu einem öffentlichen Ereignis machte.
Neben der regulären Tourband (bestehend aus Frank Usher, Andy Trill, Steve Vantsis, Tony Turell und Gavin Griffiths) hatte er sich weitere Verstärkung mit an Bord geholt: zum einen Dave Haswell, einen begnadeten Percussionisten, der vor allem den akustischen Versionen der Songs ihren letzten Pep gab, und auf weiblicher Seite den Backgroundgesang von gleich vier jungen Damen: Angela Gordon und Heather Findlay von Mostly Autumn, Anne Marie Helder (Ex-Karnataka) und seine Tochter Tara Dick.
Schrieb ich "familiäre Atmosphäre"? Ganz klar. Die eigene Tochter mit auf der Bühne. Und dazu noch die Lebensgefährtin Heather, von der er sich im Herbst letzten Jahres zunächst trennte, die er nun aber im August 2007 heiraten wird.
Insgesamt werden 19 Stücke in unplugged-Versionen dargeboten: The Field, Jumpsuit City, Favourite Stranger, Shot the Craw, State of Mind, Tilted Cross, Fortunes of War, Just Good Friends, Incomplete, Change of Heart, Lady Let It Lie, A Gentleman’s Excuse Me, Rites of Passage, The Lost Plot, Slainthe Mhath, Chelsea Monday, Scattering Crows, Tara und Raw Meat. Also ein Set zum Genießen! Die Setlist beinhaltet vier Songs, die noch nie live gespielt wurden: The Field, Favourite Stranger, Shot the Craw und Tara. Zudem wurden die beiden Marillion-Klassiker Slainthe Mhath und Chelsea Monday bisher noch nie als Acoustic-Versionen aufgenommen.
Die vorausgegangene Tour war sehr Marillion-lastig. Fish hatte ja das Jubiläumsjahr des Albums genutzt, um "Misplaced Childhood" komplett aufzuführen und auch andere Klassiker wieder aufleben zu lassen. Der Acoustic-Set allerdings sollte sich bis auf die zwei erwähnten Ausnahmen dem Solo-Repertoire widmen. Schon der grandiose Opener "The Field" macht die Richtung klar: atmosphärische Songs, untermalt von sanften Gitarren- und Pianoklängen, dazu Dave Haswell mit einem Repertoire an Percussion-Werkzeugen von Triangel bis Bongo-Trommeln. Die exklusive Instrumentierung wird erweitert durch elektrischen Kontrabass, Querflöte und Tin Whistle.
Es war ein Genuss, diese spielfreudige Band zu erleben. Im Mittelpunkt stand aber ganz klar Fish, der Prophet in seinem Heimatort (wo er ja bekanntlich gar nicht sooo viel zählt). Inzwischen durfte ich 55 Konzerte von Fish als Solo-Künstler erleben, aber dieser Auftritt in Haddington wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Wie gesagt: die Zuschauerzahl war streng auf 400 Personen limitiert. Mit dieser Veröffentlichung können nun alle in den Genuss eines ganz besonderen Konzertes kommen. Höhepunkte waren sicherlich die Duette zwischen Fish und Heather, "Just Good Friends" und "Incomplete", die wundervollen Balladen "A Gentleman's Excuse Me" und "Rites Of Passage" und der Überraschungsmoment als Tara auf die Bühne kam, um den ihr gewidmeten Song selbst im Background zu begleiten. Das Fish selbst in Hochform war, muss sicher nicht besonders erwähnt werden. Ungewöhnlich intellektuell wirkte er zeitweise, da ob der selten gespielten Songs ein Textblatt auf dem Notenständer nötig war, das der Meister nur mit Brille lesen konnte. Ein ungewöhnliches Bild für den Rockpoeten.
Das ganze erscheint als dreiteilig aufklappbares Digipack mit Artwork von Mark Wilkinson und einem Booklet, in dem Fish sich umfassend zu seinen Eindrücken von diesem Abend äußert. Zwar ganz in schwarz-weiß gehalten, aber dennoch sehr edel aufgemacht. Das neue Logo vereinigt das christliche Fish-Symbol mit einem akustischen Instrument. Und der Titel "Communion" kann für die Gemeinschaft der anwesenden Fans, aber auch als Sinnbild für das christliche Ambiente stehen. Da blitzt schon ein Sinn für das Gesamtkunstwerk hervor.
Was soll ich sagen? Meine uneingeschränkte Empfehlung und neun volle Sterne. Einziger Haken: Es wird noch etwas dauern, bis das Teil in den offiziellen Handel geht. Vorerst ist der Bezug über die Fanclubs möglich. In Deutschland: www.raingods.de und in Schottland: www.the-company.com
Ansonsten empfehle ich halt die Live-Konzerte des Sommers. Unter anderem auf der Loreley wird Fish 2007 das komplette "Clutching At Straws"-Album zelebrieren, zudem noch viele Songs seiner neuen Platte "13th Star", die allerdings erst Ende des Jahres das Licht der Welt erblicken wird. Hingehen! Und bis dahin vertreibt euch die Wartezeit mit "Communion".