Can't Slow Down

Aber hallo – hätte jemand 15 Jahre nach "Mr. Moonlight" Foreigner noch auf dem Schirm gehabt? Seit dem zweiten Ausstieg von Lou Gramm sind nur drei "Greatest Hits"- und eine Balladen-Compilation erschienen. In der Band ist von den Gründungsmitgliedern allein Mick Jones übrig. An den Vocals findet sich seit Start der drei Jahre andauernden World Tour (2005) Ex-Hurricane-Fronter Kelly Hansen (der seinen Job ausgesprochen gut macht). Jeff Pilson, Tom Gimbel, Michael Bluestein und Brian Tichy besetzen die übrigen vakanten Posten.
Erstaunlicherweise klingen Foreigner auch nach diesem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel und der langen Pause wie frisch aus den 80ern eingereist. Hansen singt, als stünde Lou Gramm immer noch hinterm Mikro, und die Band gibt dem Begriff AOR neuen Sinn. Junge Musikfans werden das Ergebnis altbacken finden oder gar nicht erkennen, dass es sich um ein aktuelles Album handelt, doch ihre Väter dürften ein nostalgisches Tränchen verdrücken.
"Keine Experimente" – so mag die Devise zu Beginn des Songwritings geheißen haben. Man hat sich tunlichst dran gehalten und ein grundsolides Alterswerk abgeliefert. Da finden sich der rockige Opener und Titeltrack "Can’t Slow Down" sowie die spannenden Uptempo-Nummern "Ready" und "Give Me A Sign". Seit dem Smasher "I Want To Know What Love Is" muss pro Album mindestens ein herzzerreißender Lovesong dabei sein. "When It Comes To Love" erfüllt diese Aufgabe mit Bravour. Und auch "I Can’t Give Up" und "I’ll Be Home Tonight" sind verträumt eingesungene, melodische Titel allererster Güte. Der Abschluss "Fool For You Anyway" bringt gar eine Form von R’n’B-Feeling mit. Ungewöhnlich – trotzdem gut.
Foreigner leben mit einem spannenden Line-up und sehr gutem Fronter weiter. Ihr neues Werk ist viel stärker, als man dies den alten Recken zugetraut hätte. Nicht innovativ, aber der eingängige, kompakte Mainstreamrock, den sich die Fans wünschen. So dürften die anstehenden Konzerte zu den Foreigner-Festspielen 2010 werden.