No End In Sight: The Very Best Of Foreigner (2 CD)

Es gibt Bands, die begleiten dich irgendwie dein Leben lang. Bands wie AC/DC, Status Quo, die Rolling Stones oder eben Foreigner, die schon da waren, als du anfingst dich für die richtige Musik zu interessieren und die nach 30 oder 40 Jahren immer noch da sind. Mit Foreigner und "Cold As Ice", "Juke Box Hero" oder "Urgent" haben wir jede Schulfete abgerockt. Später haben wir dann zu den Klängen von "Waiting For A Girl Like You", "I Want To Know What Love Is" und "That Was Yesterday" knutschend in irgendwelchen Ecken gelegen. Unzählige Erinnerungen sind mit all diesen Songs verbunden. Besonders in den 70er und 80er Jahren waren Foreigner damit Dauergäste in den Charts dieser Welt und haben bis heute mehr als 70 Millionen Alben verkauft. Im Juli des vergangenen Jahres hatte ich das grosse Vergnügen Gründungsvater Mick Jones & Co. in Bonn erstmals live zu sehen (hier ein Review).
Natürlich lässt sich über den Sinn oder Unsinn solcher Best Of-Veröffentlichungen wie "No End In Sight" stets aufs Neue streiten. Und natürlich ist auch diese Doppel-CD nicht die erste Retrospektive der beeindruckenden Karriere von Foreigner. Lässt man diese Glaubensfrage jedoch außer Acht, so stellt man fest, dass es eine durchaus gelungene Anthologie ist, die das Schaffen der Band aus New York von 1977 an bis heute mehr oder weniger treffend auf den Punkt bringt. "No End In Sight" liefert in chronologischer Reihenfolge einen Querschnitt durch das Werk von Foreigner, der zusätzliche, exklusive Live-Aufnahmen und mit "Too Late" immerhin sogar einen brandneuen Song enthält. Anders ausgedrückt: 32 Songs oder eine fast zweieinhalb Stunden lange musikalische Zeitreise.
Angefangen beim Debütalbum "Foreigner" von 1977 über das mit Dreifach-Platin veredelte "Agent Provocateur" (1985) bis hin zu "Mr. Moonlight" von 1995 sind Songs aus insgesamt acht ihrer Alben vertreten. Darunter die bereits erwähnten Soundtracks für alle Lebenslagen, aber auch solche Juwelen wie die erste Single "Feels Like The First Time", "Double Vision", "Dirty White Boy" oder "Head Games". Wir feiern ein fröhliches Wiederhören mit dem unvergessenen Lou Gramm, zollen aber gleichzeitig auch der aktuellen Besetzung um Mick Jones, Jason Bonham am Schlagzeug, Sänger Kelly Hansen, Keyboarder Jeff Jacobs, Gitarrist Tom Gimbel und Ex-Dokken-Bassist Jeff Pilson unseren Respekt. Respekt, den sich das Sixpack insbesondere mit den exklusiven Bonustracks auf "No End In Sight" verdient. Keine richtigen Raritäten zwar, aber es gibt auch genügend andere Compilations die auf solche Zugaben völlig verzichten. Der neue Song "Too Late" ist eine formidable Rockhymne. Richtig spannend wird es aber erst mit der grossartigen Gänsehaut-Akustikversion von "Say You Will", aufgenommen vor erst knapp drei Monaten bei einem Radiokonzert in Washington. Und natürlich zum Abschluß mit der kraftstrotzenden Live-Version von "Starrider" sowie dem fulminanten und fast neunminütigen Medley der letztjährigen Welttournee aus "Juke Box Hero" und dem Led Zeppelin-Klassiker "Whole Lotta Love". Ein Booklet mit Fotos aus allen Schaffensphasen der Band und Liner-Notes von Roy Trakin zu jedem einzelnen Song runden den durchweg positiven Gesamteindruck ab.
"No End In Sight" beweist, dass Foreigners Stilmix aus Blues, Rock und Pop nach wie vor funktioniert. Fans der ersten Stunde werden an dieser Best Of-Zusammenstellung im besten Fall ebenso viel Spass haben wie ich, für alle anderen ist dieser sinn- und liebevoll zusammengestellte Rückblick ein guter Einstieg in Foreigners musikalischen Kosmos, von dem aus man dann auf weitere Entdeckungsreisen in die Vergangenheit oder Zukunft gehen kann. Frei nach dem Motto: He heard one guitar, just blew him away!