For New Beginnings

In den meisten Fällen ist das Resultat einer alkoholgetränkten Nacht ein Kater, im Fall von Daniel Johansson und Joakim Sveningsson entstand daraus Musik und die Band Friska Viljor. Einst gegründet, als man gemeinsam gescheiterte Beziehungen ausgiebig begossen hat, legt die Band nun mit “For New Beginnings“ ihr bereits drittes Album vor. Gar nicht schlecht, für eine wahrgewordene Schnapsidee!
So herausgeputzt wie auf dem interessant gestalteten und obendrein gezeichneten Albumcover, als Gentlemen mit Zylinder und Ausgehstock, hat sie wohl noch keiner zu Gesicht bekommen. Lange Haare und Vollbart sind ebenso Programm, wie ihre ausgeprägte Vorliebe für weiße Unterhemden. Aber wer weiß, vielleicht werden die ja, für die neue Tour durch schicke Anzüge ersetzt.
Musikalisch ist der Drittling um einiges opulenter geraten als die beiden Vorgänger “Bravo!“ und “Tour de Hearts“. Bläser und Streicher und von allem ein wenig mehr. Allen voran, dass flotte “If I Die Now“, ein radiotauglicher Popsong, im besten Sinne. Mit zuckersüßer gute-Laune Melodie und mitklatschtauglichem fröhlich galoppierendem Rhythmus. In “People Are Getting Old“ preschen sie voran, als könne man den Wettlauf gegen das Altern, mithilfe schneller Akkorde gewinnen. “Sunny Day“ klingt wie der Countryausflug, den die Beatles nie gemacht haben und “Should I Apologize“ beendet dieses durchweg gelungene Album so kratzig akustisch, wie es begonnen hat.
Ein Hamburger Plattenladenbesitzer dürfte sich besonders über den Song “Wohlwill“ freuen. Der Legende nach verschaffte er Friska Viljor ihr erstes Deutschlandkonzert in seinem Plattenladen. Die Band dankt es ihm mit Balkantrompeten und der Rumpeligkeit von Element of Crime. Was lernen wir ganz nebenbei daraus? Manche Legenden sind wahr und man sollte immer nett zu Bands sein, es könnte in einem Song enden. Wenn es soweit ist, möchte ich auch einen, mit genau so einem Refrain im schönsten Falsettgesang, bitte.
Mit der Tour, die sie im Oktober und November auch zu 14 ausgewählten Spielstätten in der Republik führen wird, beschließen Friska Viljor ein ziemlich erfolgreiches Jahr. Denn außer dem neuen Album können sie hart erkämpfte Auszeichnung vorweisen. Sie sind die Gewinner der Jägermeister Rock:Liga 2008/2009. Eine Veranstaltung, die wie prädestiniert ist für eine Band mit derartiger Gründungsgeschichte. Natürlich haben die beiden Schweden den Bandwettstreit gewonnen. Ob es daran lag, dass dahinter ein großer alkoholischer Getränkesponsor stand, darf bezweifelt werden. Für das Konservieren der kratzigen Stimmen war es sicher hilfreich.
Gänzliche neue und titelgebende Anfänge vermag ich nicht zu entdecken. Vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung hin zu mehr Professionalität und der einen oder anderen Erweiterung des eigenen Kosmos. Na dann skål!