Coverstories

Was um Himmels Willen sind die Global Kryner? Die erste Antwort ist ganz einfach: Eine österreichische Band, die Klassiker und aktuelle Hits im Stil der Original Oberkrainer – also in einer Mischung aus Akkordeon- und Blasmusik – zu Gehör bringt. Hört sich skurril an? Ist es auch. Man braucht nur mal den Namen bei YouTube einzugeben und schon wird man mit einer Sammlung kurioser musikalischer Eindrücke beglückt. Seit 2002 existiert die Truppe, 2004 erschien das Debütalbum und heuer gibt’s das neue Werk "Coverstories".
Volksmusik ist nicht mein Ding – muss ich gestehen – und entsprechend vorsichtig bin ich an die CD heran gegangen. Doch was das Männer-Quintett plus Vokalistin hier auf die Beine stellt, muss man einfach gehört haben. Ausgangspunkt sind deutsche Songs aus diversen Epochen. NDW-Kram von Falco, Klaus Lage und Peter Schilling, das kabarettistische "Taubenvergiften" (Georg Kreisler), Rammsteins "Engel" aus den 90ern und auch ganz aktuelle Hits wie "Monsta", "Pflaster" und "Haus am See".
Es beginnt mit "Alles nur geklaut" und blasmusikalisch verunstalteten Gitarrenriffs aus der Rockgeschichte. Passend zum Song, in dem "bis auf die Triolen" das gesamte Musikgut von den Prinzen geraubt wurde. Die Global Kryner beschränken sich also nicht nur auf den zu covernden Song, sondern verbraten mittendrin auch passende Sequenzen, die sich als Zitate mit verknüpfen lassen. "Über sieben Brücken musst du geh" enthält beispielsweise Elemente aus "Under The Bridge" und "Bridge Over Troubled Water".
Musikalisch kann man den Instrumentalisten eine große Klasse bescheinigen. "Engel" beginnt mit einer a cappella-Passage, ehe Posaune und Trompeten einsetzen. Man muss manchmal genau hinhören, um das Stück zu erkennen. Wenn der Gesang einsetzt, wird dann manches klar. Und es ist nicht alles Polka, was hier verhackstückelt wird. Es finden sich durchaus auch Jazz-Anleihen und soulige Versatzstücke. Für die ruhigeren Parts sind das Akkordeon und ab und zu eine akustische Gitarre zuständig.
Die Vocals von Sabine Stieger klingen bisweilen zu aufgesetzt und schwanken zwischen Margot-Hellwig-Sound und gewollter Virtuosität. Das soll aber ihre Leistung gar nicht schmälern. Ich sage mal, es ist Geschmackssache, wenn mir die Gesangseinlagen von Christof Spörk und Markus Pechmann besser liegen. Die gecoverten Künstler können auf jeden Fall ganz zufrieden sein – und sie mussten ja auch die Freigabe zu den Songs geben. Der CD-Hülle ist zu entnehmen, dass es für "Männer sind Schweine" eben diese nicht gab. Schade. Da hätte ich den Ärzten mehr Humor zugetraut.
Das Album eignet sich natürlich für Blasmusik- und Polkafreunde, die Bierseligkeit und Volkstümlichkeit zelebrieren wollen. Aber auch für Liebhaber vertrackter Jazzharmonien mit Tempi-, Rhythmus- und Taktwechseln. Für Freunde gepflegten Kabaretts und natürlich für alle, die über eingefahrene Wege hinweg schauen möchten. Mal ganz was anderes!