Gotye

Making Mirrors

Veröffentlicht: 16.12.2011 / Vertigo / Universal Music

Von: Andreas Weist

Gotye

Da ist mir doch kurz vor Jahresschluss noch eine echte Überraschung ins Haus geschneit. "Making Mirrors" heißt das dritte Album des belgisch-australischen Songwriters Gotye (bürgerlich Wouter De Backer). Ja, genau der, dessen Single "Somebody That I Used To Know" im Zusammenspiel mit der neuseeländischen Sängerin Kimbra gerade weltweit die Charts stürmt. Ich muss gestehen, dass ich mit gemischten Gefühlen an das Album heran gegangen bin. Multiinstrumentalisten, die mit Synthie-Sounds die Musikwelt verwirbeln, haben wir momentan doch wahrlich genug. Und wenn auch das Duett mit Kimbra ganz gut funktioniert, könnte diese Kollaboration eine typische Eintagsfliege sein.

Ist es aber nicht. Vor allem von den ersten beiden Albumdritteln bin ich schon nach den ersten Hördurchläufen wie weggeblasen. Was erwartet uns? Der kurze Titeltrack ist nicht mehr als eine zaghafte Einleitung. Dann geht es aber mit drei Songs in die vollen: "Easy Way Out", oben erwähnte Single und "Eyes Wide Open" funktionieren als erfrischendes Triple mit deutlichen Elektro-Pop-Anleihen und einer Ausstrahlungskraft, wie sie zuletzt Mando Diao "Give Me Fire" erreicht haben. In diese Rubrik fällt auch noch mit Abstrichen der Track "Smoke And Mirrors", der allerdings etwas langsamer aufgebaut ist und sich in virtuosen Klangspielereien verliert. Muss man sich dran gewöhnen.

Dann aber zwei Highlights, die in eine ganz andere Richtung gehen. "I Feel Better" startet mit dem Fanfaren-Sound einer 60er-Jahre-SF-Serie und führt in dynamische Motown-Klänge. Was für ein Track! Nochmal hören, und nochmal, und nochmal. Auch "In Your Light" ist Retro pur, wobei sich Bläser und elektronische Klänge gekonnt vermischen. Die unterschiedlichen Stile, die Gotye hier vereint, bieten abwechslungsreiche Unterhaltung und halten einige Überraschungen parat.

Bis hierher ein Spitzenwerk. Leichte Abstriche muss ich erst mit "State Of The Art" machen. Da ist Gotyes Stimme denn doch zu sehr verzerrt und bekommt eine nervige Attitüde. Für mich der einzige echte Ausfall auf dem Album. Ansonsten wird es nach dem Pop- und Retro-Part nun souliger. Das düstere "Don’t Worry We’ll Be Watching You" wird gefolgt von dem sanften "Giving Me A Chance". Ganz spannende rhythmische Konstrukte finden sich hier, die in den folkigen, weltmusikalischen Songs "Save Me" (mit energischen Chorpassagen und viel Piano) und dem melancholischen Abschluss "Bronte" gipfeln.

Gotye sortiert seine Songs nach Stimmungen und stellt sie jeweils in eine Ecke. So nimmt er den Hörer auf eine sehr emotionale Reise mit. Schaut in den Albumtrailer rein – man bekommt einen guten Eindruck von Gotyes Arbeit:

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