Herbert Grönemeyer

Leonce und Lena

Veröffentlicht: 29.08.2005 / Grönland / EMI

Von: Thomas Kröll

Herbert Grönemeyer

Vorsicht! Dies ist kein neues Herbert Grönemeyer-Album! Es beinhaltet zwar Musik von Herbert Grönemeyer, aber er selbst singt nicht. Zur Erklärung: „Leonce und Lena“ ist ursprünglich ein Theaterstück von Georg Büchner. Grönemeyer hat es musikalisch und textlich neu arrangiert, quasi zu einer Art Musical umgeschrieben. 2003 feierte das Stück am Berliner Theater Premiere. Auf der vorliegenden Doppel-CD sind nun das komplette Werk (CD 1) und separat die Musik only (CD 2) zu hören. Sozusagen einmal Hörspiel und zum zweiten Musical. Grönemeyer tritt dabei lediglich auf der ersten CD als Erzähler in akustische Erscheinung.

Inszeniert wurde das Ganze von Robert Wilson, der vielen wahrscheinlich noch durch das Bühnenstück „The Black Rider“ von 1993 bekannt sein dürfte (mit Musik von Tom Waits!). Die Inszenierung von „Leonce und Lena“ kann ich nicht beurteilen, weil nie gesehen. Auch das Original von Georg Büchner war mir bisher unbekannt. Vielleicht habe ich mich mit dieser Besprechung auch deshalb etwas schwer getan. Es scheint einigen Kollegen ähnlich ergangen zu sein, denn bisher habe ich in den einschlägigen Medien kaum eine Rezension dazu gefunden. Auch uns ist das Album erst sehr spät „zugespielt“ worden. Dass Herbert Grönemeyer durchaus Erfahrung mit derlei Stoffen hat, ist zumindest hinlänglich dokumentiert, war er doch lange Jahre Darsteller am Bochumer Schauspielhaus.

Was also ist „Leonce und Lena“? Erstmal einfach eine schöne Liebesgeschichte um einen gelangweilten Königssohn und den Kampf um die Frau seines Herzens. Musikalisch glänzt das Orchester „Büchners Erben“ mit einer Mixtur aus Jazz, Rock, Pop und Swing, wobei einige Stücke sehr deutlich die Handschrift von Grönemeyer erkennen lassen. Erinnern sie doch in ihrer naiven Unbekümmertheit an seine eher liedermacherartigen Anfangszeiten. Letzlich ist „Leonce und Lena“ von allem ein wenig: Hörspiel, Theaterstück und Musical. Irgendjemand hat es kürzlich einmal als ein „Märchen für Erwachsene“ bezeichnet und das trifft es ziemlich genau.

Trotzdem muss ich zugeben, dass sich mir der Zugang beim Hören nicht unbedingt erschlossen hat. Aber das soll bekanntlich nichts heißen. Denn wer auf Theater steht und darüber hinaus noch Herbert Grönemeyer mag, der wird hier bestens bedient. Vor allem aber muß man den Hut vor Grönemeyer ziehen, der mit „Leonce und Lena“ etwas gänzlich Neues wagt und seine Fangemeinde damit auf die Probe stellt. Abgestimmt wird dann an der Kasse. Alle Texte sind übrigens im beiliegenden Booklet nachzulesen. Dazu gibt es noch Fotos von der Berliner Inszenierung.

Ich für meinen Teil bin – je nach Blickwinkel - so schlau oder dumm wie zuvor, was mich diesmal zu einer eher ratlosen Bewertung veranlasst. Weil ich niemandem Unrecht tun möchte gibt es durchschnittliche 4 von 9 Sternen.

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