Hole

Nobody's Daughter

Veröffentlicht: 23.04.2010 / Mercury Records / Universal Music

Von: Sascha Knapek

Hole

Eigentlich verging die Zeit von der Bekanntgabe des neuen Hole-Albums bis zur Veröffentlichung wie im Flug. Einerseits verkürzten einem andere Reunions der Grunge-Ära (Alice In Chains, Soundgarden, Stone Temple Pilots) die Wartezeit und andererseits konnten sich Gossip-Junkies mit dem in der Öffentlichkeit breitgetretenen Privatleben von Cobain-Witwe Courtney Love die Langeweile vertreiben. Von Sorgerechtstreitigkeiten und Drogenproblemen, bis hin zu Copyrightquerelen, Frau Love hat für jeden Geschmack etwas im Angebot. Dass ihr bei all dem privaten Wirrwarr auch nur ein ansatzweise brauchbares Album gelingen würde, konnte man im Vorfeld durchaus bezweifeln. Mit "Nobody’s Daughter" gibt Courtney Love jetzt die passende – und überraschende – Antwort auf alle Kritiker-, Zweifler- und Naysayer-Stimmen.

Love klingt auf dem ersten Studioalbum ihrer Band seit 1998 ("Celebrity Skin") teilweise so rotzig und angriffslustig wie zu ihren besten Zeiten Mitte der 90er. Dass die blonde Skandalnudel noch zu leidenschaftlichen Kraftakten wie beim mächtigen "Someone Else’s Bed" oder der abschließenden Akustikgroßtat "Never Go Hungry" (beides aus Courtney Loves Feder, ohne Co-Autor) fähig ist, haben viele bezweifelt. Aber die 45-jährige ist auf "Nobody’s Daughter" präsenter denn je. Auch wenn Linda Perry (4 Non Blondes), Billy Corgan (Smashing Pumpkins) und Micko Larkin ihr bei acht der elf Tracks tatkräftig zur Songwriting-Seite gestanden haben, das was Love daraus macht, kann zum Großteil – sieht man von dem klobigen "Samantha" und dem Komplettausfall "Loser Dust" ab – mit den lichteren Momente des Hole-Katalogs mithalten.

Natürlich ist "Nobody’s Daughter" dabei nicht der ganz große Wurf, der "Live Through This" 1994 war. Um ein fast nicht mehr für möglich gehaltener Erfolg zu werden, braucht es das auch gar nicht. Courtney Love war abgeschrieben, abgehakt, abgemeldet. Mit ihren Eskapaden und vielen traurigen Episoden lag sie irgendwo zwischen Britney Spears, Naomi Campbell und einer Schar von C-Promis, die bei Dr. Drew und Konsorten anheuern. Dass die Frau, die durchgeknallte – und vor aberwitzigen Rechtschreibfehlern nur so strotzenden – Twitter- und Facebook-Einträge am Fließband produziert(e), noch ein dermaßen bodenständiges und von Grund auf gutes Album im Körper (und Organ) hat, werden viele Skeptiker mit Recht angezweifelt haben. Frau Love belehrt uns allerdings eines Besseren und legt mit "Nobody’s Daughter" keinen Treppenwitz, sondern ein spannendes und – auch ohne Eric Erlandson und Melissa Auf der Maur – durchweg hörenswertes Rockalbum vor. HIER gibt es übrigens ein Pre-Listening!

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