Black Crows’ Country

Wer beim Namen Hyacinth House eine Benennung nach dem gleichnamigen The Doors-Song vermutet liegt nicht ganz falsch. Aber irgendwie doch. Benannt hat sich das schwedische Musikerkollektiv nämlich eher nach bekannten Jazz Jam-Sessions in New Orleans. Eine gewisse musik-atmosphärische Verbundenheit zu den Doors kann man Frontmann Mack Johansson und seinen fünf momentanen Mitstreitern – Andreas Berg (Gitarre), Kristina Löfstedt (Cello), Hank Alenhag (Bass), John Nyberg (Schlagzeug) und Mack’s Bruder Fredrik (Dobro, Banjo, Harmonika) – jedoch nicht absprechen. In vielen Passagen erinnern die auf “Black Crows’ Country“ erzeugten Musiklandschaften und die lyrische Ästhetik an diverse Nummern von Jim Morrison und dessen Mitstreitern.
Die als Soloprojekt von Johansson gestarteten und zur Band gereiften Hyacinth House erinnern einen auf ihrem Zweitling an eine andere auf Glitterhouse erscheinende (oder bessere gesagt erschienene) Band aus dem Norden Europas: Midnight Choir. Dichte und mitunter schwere Kost zelebriert das Sextett aus Schweden, sehr amerikanisch, frisch und stimmig. Und um nicht nur die ehemaligen norwegischen Labelkollegen als Querreferenz zu nennen, beim “Black Crows’ Country“ Durchlauf schießt mir immer wieder ein Name durch den Kopf: Grant Lee Buffalo. Die positive Nähe ist manchmal erschreckend und wenn man die Augen schließt, hört man den Nachfolger von “Fuzzy“ und “Mighty Joe Moon“ den es in dieser Art und Weise leider nie gab. Die Hyacinth House Songs “Whiskey Nights“, “Numb The Heart” oder ”Road To Flowers” gehen genau in diese von Grant Lee Phillips, Paul Kimble und Joey Peters aufgezeigte Richtung. Verspielte Country-Referenzen (“Beyond The End”), Bluegrass-Nuancen (“Swedish Signs On Monkey Island”), Hillbilly-Attitüde (“Pete La Las”), gerader Rock and Roll (“Black Crows’ Country“ und ”Two White Men In A Black Car & A Ticket Out Of Here (Take 86)“) und die bereits angesprochene Doors-Ästhetik (“Rosewood Country Club”) – alles Schichten der Hyacinth House-Zwiebel. Eine Zwiebel in die man jederzeit und ohne Bedenken hineinbeißen kann. Morning comes in the rainy clouds – wenn ”Black Crows’ Country” aus dem Radiowecker ertönt, dann gerne.
Manche stecken Hyacinth House in die heutzutage beliebten “Alternative-“ oder “Goth-Country“ Schubladen. Vor das Wort Country allerdings den Zusatz “Psychedelic“ zu setzen würde meiner Meinung nach weitaus besser passen. “Black Crows’ Country“ ist wie eine dicke Tafel Zartbitterschokolade. Schwere, aber gerngesehene Kost. Das 30-seitige Booklet – irgendwo zwischen “Blair Witch Project“, Dokumenta und fröhlichem Poesiealbum – passt dabei wie die Faust aufs Auge.