Iamx

Dogmatic Infidel Comedown OK

Veröffentlicht: 19.03.2010 / Soulfood Music

Von: Melanie Schupp

Iamx

Haben wir denn schon Mai? Nein, IAMX Kopf Chris Corner hat sein Remix-Album “Dogmatic Infidel Comedown OK” lediglich früher veröffentlicht als geplant. Sehr zur Freude ungeduldiger Fans von IAMX als auch der auf dem Album vorhandenen Künstler, die für die verschiedenen Remixe zuständig waren.

Remix-Alben sind immer ziemlich schwierig zu verdauen. Doch im Falle IAMX fiel die Wahl auf außerordentlich geeignete Künstler, welche die düstere und melancholische Stimmung des Originals hervorragend für ihre Zwecke zu nutzen und zu transportieren wissen. Die Namen sprechen in der Szene auch für sich, liest man “Omega Man”, “Combichrist oder “Alec Empire”. Die Beats sind lediglich weniger sperrig und teilweise clubtauglicher als bei “Kingdom Of Welcome Addiction”. Natürlich bleibt auch die unverkennbare Stimme von Chris Corner überwiegend unverändert, was die Charakterzüge von IAMX noch stärker in die Remixe prägt. Songs wie “Tear Garden” überarbeitet von Unfall ChocolateFurWine oder Combichrist’s “You Can Be Happy” sind fast nur noch durch die Vocals als Ursprungssong von IAMX zu erkennen. Das ist jedoch nicht störend, elektronisch bleibt es trotzdem.

Lediglich Miss Derringer wagt sich an eine weniger elektronische Version mit weiblichem sanften Gesang. Dies wird mit Sicherheit der Remix sein, der die Geister scheiden wird. Hier geht ganz klar die IAMX-Mimik verloren, bringt jedoch einiges an Abwechslung in die Platte. Sieht man davon einmal ab, geht es weiter mit The Proud und Omega Man bis hin zu einer unglaublich dramatischen “I Am Terrified” Interpretation von Alec Empire. Beklemmend und tiefschürfend steigert sich der Song zur Bedrohlichkeit hin. Chris Corner sagte selbst über die Wahl der Künstler:  “...ich hatte es im Gefühl, dass ich von dieser Auswahl an absonderlichen Freaks nicht enttäuscht werden würde", und er sollte damit recht behalten. Die unterschiedlichen Künstler haben nämlich eines gemeinsam: man könnte sie als Randgruppe bezeichnen, die sich dem Underground verschrieben hat. In ihrem Genre meist Heroen, werden sie von der großen Masse ignoriert. Grundvoraussetzung dafür ist ihr freier Geist, den sie ebenso wie IAMX besitzen. Dies spiegelt sich auf dem Album wider, denn nur durch diese Grund-Gemeinsamkeit harmonieren die Remixe wunderbar.

Natürlich ist es immer fraglich, ob ein Remix-Album überhaupt von Nöten ist und Fans sind meist besonders kritisch gegenüber solch Werken. Und ebenso kann man Original und Remix selten vergleichend gegenüberstellen. Doch “Kingdom To Welcome Addiction” steht sein neues Frühlingsgewand. Vielseitig, speziell und unkonventionell. Ein Art Ohren-Zoo oder Audio-Kabinett des Dr. Caligari... Oder einfach nur ein geglücktes Experiment für etwas freiere Geister.

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