Das wär dein Lied gewesen

Seit Jahren ist Ina Müller äußerst erfolgreich als Sängerin und Entertainerin unterwegs, allerdings denkt sie nicht daran, sich auf ihrem Erfolg auszuruhen. Nach ihrem plattdeutschen Album "Die Schallplatte – nied opleggt" und der dazugehörigen Tour im Sommer 2010 singt sie jetzt wieder hochdeutsch und präsentiert auf "Das wär dein Lied gewesen" 13 brandneue Titel.
Wie gewohnt nimmt Ina in ihren Stücken pointiert die Tücken des Alltags und der Liebe ins Visier und schöpft dabei überwiegend aus persönlichen Erfahrungen. So rechnet sie im Titelsong "Das wär dein Lied gewesen" mit einer mauen Beziehung ab, die noch nicht mal genug Stoff für ein ordentliches Lied abgibt und besingt in "Die Nummer" eine besondere Form von Vergesslichkeit, bei der am Morgen danach alle wichtigen Zahlen von dieser ganz besonderen Nummer verdrängt werden. "Ja ich will" ist ihre eher ungewöhnliche Antwort auf wiederholte Heiratsanträge und das schwungvolle "Paparazzia" der hoffentlich ironisch gemeinte Ruf nach der Aufmerksamkeit der Klatschpresse.
Jeden ihrer neuen Songs widmet Ina einem Menschen aus ihrem Leben, die im Booklet natürlich nur diskret mit einer Initiale bezeichnet werden. Aber wenn sie in "Mit Mitte 20" für J. augenzwinkernd über die Vorzüge jüngerer Männer singt, erinnere wahrscheinlich nicht nur ich mich daran, dass Ina ja derzeit mit dem Sänger Johannes Oerding liiert sein soll. Dieser hat übrigens auch die Musik zu "Fremdgehen" beigesteuert, eine sehnsüchtige Ballade über den Wunsch, in einer abgestumpften Beziehung seine Gefühle füreinander neu zu entdecken.
Ansonsten hat Ina Müller hauptsächlich mit ihrem jahrelangen Texter Frank Ramond und dem Musiker Alexander Zuckowski zusammengearbeitet und ein insgesamt sehr abwechslungsreiches Album geschaffen. Ob funkige Mandolinen für das spannende Thema "Gleichberechtigung", mitreißende Gitarren in "Brittpop" mit seinem etwas unanständigen Wortspiel oder der moderne Sound von "Podkarsten" – die Musik unterstreicht passend die jeweilige Thematik der Songs.
Neben den vielen humorvollen Songs sind es aber besonders die ernsteren Balladen, die den Hörer berühren. So hat sich wohl jeder schon einmal schwer getan, eine Trennung zu verarbeiten - so wie die Protagonistin in "Fast drüber weg". Und auch die in "Gar nichts gepeilt" besungene Unmöglichkeit, das Herz in Liebesangelegenheiten mit dem Verstand zu überzeugen, kann man gut nachfühlen.
Mit "Das wär dein Lied gewesen" ist Ina Müller wieder ein überzeugendes Album gelungen, und vor allem schürt es die Vorfreude auf das neue Bühnenprogramm – live ist die Entertainerin nämlich immer noch am besten. Die Vorfreude dürfen wir allerdings noch einige Zeit auskosten, denn erst ab November 2011 geht Ina Müller wieder auf Tour.