We Sing. We Dance. We Steal Things. Limited Edition. (2CD + DVD)

Weihnachten steht vor der Tür. Was heißt das für die Musikindustrie? Best Of-Alben, limitierte Versionen und spezielle Editionen von besonders erfolgreichen Alben herausbringen und etwas vom Weihnachtsgeschäft abbekommen. Im Fall von Jason Mraz mag man, als skeptischer CD-Konsument, in eine ähnliche Richtung denken. Aber egal ob man mit dieser Vermutung richtig liegt oder nicht, die limitierte Edition seiner zum Deutschland-Durchbruch geratenen Platte “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ hat es in sich. Alles andere als ein lauer Album-Aufguss mit zwei bis drei Bonus-Tracks ist dabei herausgekommen. Die limitierte Edition des Albums enthält neben einer randvollen DVD und der im Juni veröffentlichten Scheibe nämlich noch eine weitere CD, die Mraz in seiner ursprünglichen Form zeigt. Die Form, die sich nicht Label-Vorschriften und Produzentenratschlägen unterwirft, die Form, die Songs so arrangiert und aufnimmt, wie man es früher von Jason und seinem langjährigen Bühnenpartner Toca Rivera gewohnt war.
Vor dem Erscheinen seines dritten Studioalbums veröffentlichte Jason Mraz zwischen März und Mai 2008 drei EPs, die viele der kommenden Albumtracks in alternativen, abgespeckten Versionen enthielten. Die EPs benannte man “We Sing“, “We Dance“ und “We Steal Things“ und man konnte sie via Jasons Homepage und iTunes beziehen. Wer “Live at Java Joe‘s“ und “Sold Out (In Stereo)“ zu seinen Lieblingsalben zählt, wurde hier für all den überbordenden und unnötigen Pop von “Mr. A-Z“ (und letztendlich auch “We Sing. We Dance. We Steal Things.“) entschädigt. Zusammen mit den Vocals- und Djembe-Künsten von Toca, einigen weiteren guten Freunden wie z.B. Ian Sheridan und der eigenen Klasse, jammt sich Jason Mraz durch zehn der zwölf “We Sing. We Dance. We Steal Things.“-Tracks. Jeder Einzelne ist um Längen besser, einfallsreicher, progressiver und angenehmer, als das auf dem offiziellen Album gelandete Pendant. “I’m Yours“, “Live High“, “Coyotes“, “Make It Mine“, “Butterfly“, “Only Human“ usw. – nichts poppt uninspiriert und überinstrumentiert durch die Gegend, alles hat Hand und Fuß und man ist sich endlich sicher hier auch mal etwas Neues zu hören. Zusätzlich gibt es mit “Man Gave Name To All The Animals“ noch eine Nummer, die an das selige “Childlike Wildlife“ erinnert und einen granatenmäßigen Livemitschnitt namens “Mudhouse/Gypsy MC“. Schade, dass man nicht von Anfang an so mutig war und diese alternativen Versionen dem verpoppten Konsensprodukt beigelegt (oder besser noch, vorgezogen) hat!
Ach ja, eine DVD bietet die vorliegende Limited Edition auch noch. Sie beinhaltet ein komplettes Livekonzert mit Band, eine Vorschau auf das neue Mraz-Buch “A Thousand Things“ und die sehenswerte Doku “Here We Are“. Das geschnürte Gesamtpaket stellt vieles, was unter dem Deckmantel einer Limited Edition sonst so erscheint, in den sprichwörtlichen Schatten. Egal ob man Jason Mraz durch “A Jason Mraz Demonstration“ (1999) oder den Smash-Hit “I’m Yours“ (2008) kennengelernt hat, die vorliegende Edition von “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ versöhnt und stellt auch alte Java Joe’s-Anhänger zufrieden.
Am Ende dieser Rezension stellt sich mir die Frage der Punktevergabe. Da man hier endlich alles auf einen Blick bekommt und sich selbst ein Urteil darüber bilden kann, welche Mraz-Version einem eher zusagt – die poppige Chartversion, oder die zurückgenommenen Akustikwurzeln der EPs –, sind für diese im positiven Sinn fette Veröffentlichung eigentlich neun Punkte fällig. Eigentlich. Denn eine Frage bleibt: Warum konnte das Album nicht schon beim ursprünglichen Erscheinen im Juni so aussehen, war das Weihnachtsgeschäft vielleicht damals schon irgendwo im Hinterkopf? Trotzdem ist diese limitierte Edition ohne Frage eine überaus runde Sache und verdient sehr gute acht Punkte!