Jason Mraz

We Sing. We Dance. We Steal Things.

Veröffentlicht: 20.06.2008 / Atlantic Records / Warner Music

Von: Sascha Knapek

Jason Mraz

Ich verfolge die Karriere des amerikanischen Singer/Songwriters Jason Mraz mittlerweile seit gut sieben Jahren. Mit Live-CDs, die er einem freundlicherweise noch selbst zuschickte fing alles an. Die Unterschrift bei einem Major-Label war, was den Erfolg angeht, anschließend sicher nichts Falsches. Eine gewisse Enttäuschung über die folgenden Studioalben “Waiting For My Rocket To Come“ und “Mr. A-Z“ konnte allerdings nicht verborgen werden. Live ist Jason Mraz über alles erhaben. Ob solo oder mit seinen Freunden Toca Rivera (Percussion) und Ian Sheridan (Bass), auf der Bühne präsentiert Mraz frische Größe mit ganz eigenen Noten. Im Gegensatz dazu standen bisher die scheinbar auf Teufel komm raus massenkompatibel gestalteten Studioplatten. Das neue Album “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ tritt an dies zu ändern.

Den größten Schritt den Jason Mraz mit seiner neuen LP nach vorne macht, tätigte er schon vor der eigentlichen Veröffentlichung. Es war die Idee drei Vorab-EPs herauszubringen die demo-artige Akustikversionen vieler Albumtracks beinhalten. Was bei anderen Acts eine ungewohnte und neue Seite präsentiert, stellt bei Jason Mraz den Kern seiner Existenz dar. Bevor die bombastischen Produktionen und Popgurus in sein Leben traten, waren es diese beschwingenden, fröhlichen und ernsthaften Akustikklänge die dem Songschreiber einen unverwechselbaren Sound verliehen. Bezeichnend, dass die EPs “We Sing“, “We Dance“ und “We Steal Things“ heißen. Welche der beiden Versionen – die EPs oder das reguläre Album – der persönliche Neue-Mraz-Album-Favorit ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Meine Präferenz wird im Lauf des Reviews, denke ich, relativ deutlich.

Keine Frage, Jason Mraz will mit der neuen Platte viel – und auf der regulären Version des Öfteren wieder zu viel. Nummern wie “Live High“, “Butterfly“ oder “Coyotes“ scheitern an ihrem überladenen Bombastsound und werden dadurch zu Randnotizen des urbanen Pop. Ein Keyboard hier, eine Trompete dort, hinten die akustische, vorne die elektrische Gitarre und obendrauf noch Synthesizer, Backgroundchöre, Violinen und ähnliches – die übergroße Instrumentierung charakterisiert nur einen klitzekleinen Teil von Jason Mraz. Welch Klasse und subtile Energie in gerade diesen Stücken weilt, wird erst im akustischen Demogewand sichtbar. Jasons Stimme, die zu allem fähige Akustikklampfe, Toca am Djembe und Ian am lässigen Bass – genau so entfaltet Mraz sein scheinbar spartanisches, aber in Wirklichkeit unglaublich ideenreiches, Soundspektrum. Diese Beobachtung zieht sich durch das komplette Album, freudige Überraschungen sind auf “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ das Duett mit James Morrison “Details In The Fabric“ und das gar nicht mal so überdrehte “The Dynamo Of Volition“.

Das was vor sieben oder acht Jahren im kleinen Kaffee ’Java Joe’s’ in San Diego anfing, ist auf eine gewisse Weise vorbei und spätestens seit “Mr. A-Z“ Vergangenheit. Was Jason Mraz allerdings mit “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ schafft ist, dass er zumindest mit einem Auge wieder auf die „gute, alte Zeit“ schielt. Man wünscht sich, dass die Plattenfirma den talentierten Musiker einfach sein Ding machen lässt. Das Gespür für tolle Melodien, mitreißende Grooves und einen innovativen Sound hat er auf alle Fälle, man muss ihm nur den Raum dafür geben und nicht stetig reinreden (näheres zu u.a. diesem Thema gibt’s im Interview mit Jason hier). Die Akustik-EPs und einige Lichtblicke auf “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ sind erste Schritte in die richtige Richtung. Unterm Strich bekommen die neuen Songs deshalb sieben Punkte. Im zurückgenommenen EP-Kontext funktioniert das alles wunderbar.

Also keine Angst, man bekommt hier keinen bis zur Bewusstlosigkeit in den Pophimmel gehypten Retorten-Jack Johnson – auch wenn einige das ignoranterweise sicher behaupten werden. Jason Mraz ist ein Klassenkamerad und kein Abklatsch des Doppeljots aus Hawaii – das erste Veröffentlichungslebenszeichen von Mraz gab es 1999 – , nur gemerkt haben das bisher leider nicht viele. Das wird sich mit “We Sing. We Dance. We Steal Things.“ ändern, soviel ist sicher! Und wem das vorliegende Album immer noch zu glatt ist, der gehe bitte auf eins der anstehenden Mraz-Konzerte. Live steckt der demnächst 31-jährige fast jeden in die Tasche!

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