Emotion & Commotion

Gitarrenvirtuose – das ist ein Begriff, den man nur ganz selten verwenden kann / verwenden sollte, ohne unglaubwürdig zu werden. Doch Geoffrey Arnold Beck gehört in die Reihe der Legenden dieses Metiers wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, Steve Vai und Joe Satriani. Er gilt (neben Hendrix) als einer der ersten großen Showmen an der Gitarre, sei es als Mitglied der Yardbirds oder mit seiner eigenen Jeff Beck Group. Sein individueller Stil ist unverkennbar und jedes neue Studioalbum wird mit Spannung erwartet – auch wenn sich der Meister (wie im vorliegenden Fall) mal gute sieben Jahre Zeit lässt. Dann ist die Vorfreude umso größer, wenn sich herauskristallisiert, dass ein Künstler völlig neue Wege geht und seine Fans einmal mehr zu überraschen weiß.
Für "Emotion & Commotion" hat Beck einen außergewöhnlichen Mix von Songs gewählt, der vor allem durch den Einsatz eines 64köpfigen Orchesters und die Zusammenarbeit mit der in jungen Jahren schon zum Megastar avancierten Joss Stone aufhorchen lässt. Hier will ich dann auch gleich mit dem Positiven beginnen: Die mit der Grammy-Gewinnerin eingespielten Songs "I Put A Spell On You" und "There’s No Other Me" sind allererste Sahne und leben von der fruchtbaren Zusammenarbeit dieser beiden virtuosen Künstler. Joss spielt ihren kräftigen Soul voll aus und verhilft dem Album zu zwei dramaturgischen Höhepunkten. Ebenso fantastisch erklingt "Lilac Wine" mit der stimmgewaltigen Newcomerin Imelda May. Der vierte Song mit Vocals ist "Elegy For Dunkirk" und wird von der Opernsängerin Olivia Safe interpretiert. Nun ja – daran dürfen sich die Geister mit Recht scheiden.
Aber Jeff Beck wäre nicht eben dieser Gitarrenvirtuose, wenn man nicht ein Hauptaugenmerk auf seine instrumentalen Stücke legen würde. Und da muss ich leider mehr als einmal schlucken und meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen. Die sphärischen, orchestral veredelten Stücke wie "Corpus Christi" und "Serene" haben im besten Fall was von "easy listening" und gehören vielleicht auf eine CD mit Meditationsmusik. Doch bei der schmalztriefenden Interpretation von "Somewhere Over The Rainbow" stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Und auch das inzwischen völlig kaputtgehörte "Nessun Dorma" gewinnt durch die instrumentale Gitarrenversion leider nicht an neuen Aspekten.
Gitarrenmäßig kann ich nur das rockige "Hammerhead" und das entspannt swingende "Never Alone" hervorheben. Zusammenfassend also: Fünf Spitzentitel, dreimal Mittelmaß und zwei gut gemeinte doch völlig deplatzierte Aussetzer. Es gibt eine Deluxe Edition mit Bonus-DVD, die sechs Livemitschnitte (fünf davon bisher unveröffentlicht) enthält. Das Teil liegt mir leider nicht vor, ich könnte mir aber vorstellen, dass die DVD einiges an Unverständnis ausgleicht. Greift also besser zu dieser Ausgabe im Digipack.