Jimi Hendrix

Valleys Of Neptune

Veröffentlicht: 05.03.2010 / Experience Hendrix / Sony Music

Von: Pascal Kraus

Jimi Hendrix

Zu James Marshall Hendrix in Person wurde in den letzten fast vierzig Jahren seit seinem viel zu frühen Tod im September 1970 ja wahrlich genug geschrieben. Von den zahllosen, oft fragwürdigen, Tonträgern mit seinem Namen auf dem Cover ganz zu schweigen. Da stellt sich jetzt die Frage: Was gibt es da noch "Neues" zu berichten? Gibt es durchaus, wie die jüngste Veröffentlichung "Valleys Of Neptune" beim Familienbetrieb Experience Hendrix beweist.

Es handelt sich dabei um eine Compilation mit Aufnahmen der letzten Sessions der "Jimi Hendrix Experience" aus dem Jahr 1969 mit dem so genannten Gitarrengott aus Seattle. Böse Zungen sprechen hierbei von Leichenfledderei, den Sammler und Hendrix-Enthusiasten wird es aber freuen.

Auf dem Tonträger finden sich tatsächlich vier Songs, welche bislang nur die Wenigsten gehört haben dürften ("Valleys Of Neptune","Ships Passing Through The Night", "Lullaby For The Summer", "Crying Blue Rain") und schon bekannte Nummern in bislang noch nicht veröffentlichter Version, welche Hendrix´ Schwester Janie Hendrix aus der Mottenkiste hervorgeholt hat. Wer sich noch zu den Musikkonsumenten der alten Schule zählt und nicht nur Dateien auf dem Rechner hat, und das dürften mutmaßlich die meisten Käufer dieses Albums sein, den erwartet auch eine kleine visuelle Besonderheit: Das Cover bildet ein von Jimi Hendrix mit Wasserfarben selbst gemaltes Bild aus dem Jahr 1957, welches mit einem von Linda McCartney geschossenen Foto collagiert wurde.

Das Album eröffnet der Klassiker "Stone Free" hier mit Billy Cox am Bass, der in Hendrix´ musikalischen Zukunftsplänen eine immer größere Rolle spielte und die Prä-Experience-Ära einleitete. Das Spiel von Hendrix schickt bereits hier die Licks in galaktische Umlaufbahnen und hebt später auch den Cream-Hit "Sunshine Of Your Love" perkussiv, druckvoll und auch ohne Gesang aus den Angeln. Die tiefschwarzen Wogen des Mississippi tropfen während der Bluesnummern "Bleeding Heart" und "Hear My Train Comin´" aus den Boxen und finden im über achtminütigen unverwüstlichen "Red House", welches auch auf der aktuellen Veröffentlichung eines Ben Harper zu Ehren kommt, ihren Höhepunkt. Der Titeltrack saugt die sanften Atemzüge des Pop aus der Luft und nimmt das dreckige Biest der letzten Jahre an die Leine. Natürlich ist das Album purer Hendrix und auch "Ships Passing Through The Night" fügt sich nahtlos in das Gesamt-Œuvre des charismatischen Saitenzauberers ein und hätte seinen Platz auf jeder Platte der "Experience" gefunden.

Die posthumen Alben "First Rays Of The New Rising Sun" (die mutmaßlich nächste geplante Platte bevor er starb) und die Compilation "South Saturn Delta" haben vereinzelt größere visionäre Einblicke in vielleicht Kommendes geben können und den Hörer erahnen lassen, mit welcher kompositorischen Kraft Jimi Hendrix in die Siebziger hätte starten können. Das Instrumental "Lullaby For The Summer" erfüllt diese vage Vorstellung des Aufbruchs in ein neues Jahrzehnt noch am ehesten und treibt mit einem markanten Riff und hohem Tempo voran.

Mit "Crying Blue Rain" geht dieses Album zu Ende und wir weinen auch heute noch um diesen Ausnahmekünstler der Musikgeschichte, der mit jeder Note in unser musikalisches Herz kriecht, sich dort einnistet und nie mehr wieder geht.

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