Johnny CashÂ’s America (CD + DVD)

Es vergeht nicht viel Zeit seit Johnny Cashs Tod (am 12. September 2003) und schon steht die nächste Veröffentlichung vor der Tür. Neue Compilations, Re-Issues oder Dokumentationen geben sich die Klinke in die Hand. Skeptiker vermuten dahinter laue Wiederverwertungen. Teilweise mögen sie dabei Recht haben. Der Hauptgrund, warum auch über fünf Jahre nach seinem Ableben noch regelmäßig neue Veröffentlichungen des „Man in Black“ erscheinen, ist allerdings nicht die pure Geldgier der dahinterstehenden Akteure. Sicher lässt sich mit Cashs Nachlass gut verdienen, aber der Grund, warum immer neue Projekte in die Mache gehen, ist die unbändige Faszination, die der Mensch Johnny Cash auf Generationen von Fans ausübt. “Johnny Cash’s America“ heißt die aktuelle Neuigkeit. Ein kaum aktueller anmutender Film über die transzendierende Einigungskraft der sozialkritischen und immer ohne Blatt vor dem Mund auskommenden Ikone.
Der 90-minütige Dokumentarfilm hangelt sich an Johnny Cashs Biografie entlang und verbindet Originalmitschnitte seiner Karriere mit Kommentaren von Freunden und Zeitgenossen des „Man in Black“. Cashs Familie (z.B. seine Tochter Roseanne und Schwester Joanne), Freunde (z.B. Marshall Grant), Musikerkollegen (z.B. Bob Dylan, Snoop Dogg, Steve Earle und Sheryl Crow) und Politiker (z.B. Nobelpreisträger Al Gore und der republikanische Senator Lamar Alexander) kommen dabei zu Wort und ergänzen die von Chris Cooper erzählte Lebensgeschichte des Country-Musikers durch Anekdoten und ihre Sicht der Dinge. In neun Kapitel unterteilt – „Land“, „Freedom“, „Protest“, „Justice“, „Family“, „Truth“, „Faith“, „Patriot“ und „Redemption“ –, formt sich für den Zuschauer das Bild des unbeugsamen und aufrichtigen Troubadours. Am Anfang des Films wird gesagt, dass Johnny Cashs Amerika nicht rot, nicht blau und nicht weiß, sondern schwarz war. Der Mann aus Arkansas projizierte durch seine Songs und sein Outfit das Leid und den Protest vieler Menschen auf seine Person. “Johnny Cash’s America“ verdeutlicht: Niemand eint das so gespaltene Amerika bis heute so wie der Great American Outlaw.
Neben der Dokumentation, “Johnny Cash’s America“, bekommt man in der Deluxe-Edition noch den passenden Soundtrack dazu. 18 thematisierende Stücke versammelt die Songsammlung – jeder Track verkörpert eine andere von Johnny Cashs sozialkritischen, religiösen oder politischen Facetten. Vieles hat der geneigte Cash-Fan zwar schon mindestens zwei oder drei Mal im Plattenschrank stehen (z.B. den “Folsom Prison Blues“ vom Erfolgsalbum “At Folsom Prison“), aber immerhin fünf bisher gänzlich unveröffentlichte Nummern machen den Soundtrack auch für Kenner zu einem netten Schmankerl. Besonders auf das 1969 in Nashville aufgenommene “Come Along And Ride This Train“ und das, für Cashs TV Show mitgeschnittene, Woodie Guthrie-Cover “This Land Is Your Land“, darf man sich bei jedem Einlegen des Silberlings auf ein Neues freuen (es ist übrigens die einzig bekannte Aufnahme der alternativen US-Hymne von Cash). Man fragt sich, was da im Nachlass-Vault noch so alles schlummern mag.