Live At Österåker Prison

Johnny Cash spielte im Laufe seiner Karriere nicht wenige Konzerte in Gefängnissen. Er erwarb sich somit einerseits den ewigen Ruf des ’Outlaws’ und überwand Grenzen die nicht viele erfolgreiche Musiker überhaupt überwinden wollten. Die zu Livealben gewordenen Auftritte im Folsom State Prison (1968) und San Quentin (1969) sind bis heute zwei von Cash’s bekanntesten und besten Platten. Ende der 50er begann der Sänger damit – inspiriert durch den Film “Inside The Walls Of Folsom Prison“, den er während seiner Air Force-Zeit in Deutschland sah – Konzerte vor Gefängnisinsassen zu spielen und 1972 verschlug es den ’Man in Black’ sogar ins schwedische Österåker. “På Österåker” (oder ”Live At Österåker“) hieß das Album, das anschließend veröffentlicht wurde und den Besuch vom 3. Oktober 1972 dokumentierte. Anlässlich des 35. Jubiläums der LP-Veröffentlichung erscheint das Konzert nun auch mit insgesamt zwölf auf dem ursprünglichen Longplayer nicht enthaltenen Stücken.
24 Songs umfasst die 2008er Version des Albums. 22 von Cash und obendrauf noch zwei Stücke seines Weggefährten Carl Perkins (“High Heel Sneakers“ und “Blue Suede Shoes“). Gefängnisnummern wie “San Quentin“, das augenzwinkernde “City Jail“, “Life Of A Prisoner“, “Orleans Parish Prison“ und der auf Zuruf gespielte und lautstark gefeierte ”Folsom Prison Blues” (einer der zwölf zuvor unveröffentlichten Tracks) fehlten bei solch einem ungewöhnlichen Auftritt natürlich nicht. In Hochform mit Herzblut und einer fünfköpfigen Band im Rücken zelebriert Cash seine Songs und würdigte so die eher unkonventionellen Rahmenbedingungen. Weitere Highlights sind “Österåker (San Quentin)“, die Kris Kristofferson-Cover “Me And Bobby McGee“ und “Help Me Make It Through The Night“, das früh gespielte und ebenfalls zuvor unveröffentlichte “A Boy Named Sue“ und Cash’s zwischen den Songs dargebotene Ausflüge ins Schwedische – die Kommunikation mit dem Publikum schreibt er groß.
Die Soundqualität der Aufnahme ist durchweg hochkarätig und überraschend klar. Im 10-seitigen Booklet gibt’s ein lesenswertes Essay von Peter Lewry (Herausgeber des Johnny Cash-The Man In Black-Magazins) und einen am 4. Oktober 1972 erschienenen schwedischen Zeitungsartikel von Sten Berglind. ”Live At Österåker“ ist ein insgesamt richtig tolles Zeitdokument, das es mehr als verdient hatte wiederveröffentlicht zu werden – und etwas das durch die angesprochenen Bonus-Tracks auch für Fans die die ’73er Schallplatte ihr Eigen nennen, äußerst interessant sein dürfte.