Kari Bremnes

Ly

Veröffentlicht: 27.03.2009 / Strange Ways / Indigo

Von: Jessica Walther

Kari Bremnes

Auf den ersten Blick scheint das mittlerweile sechzehnte Album der Songwriterin von den Lofoten ungewohnt poppig. Hört man aber genau hin, sind die Veränderungen gar nicht so stark wie man vielleicht befürchtet hat. Starkes Songwriting ist immer noch die Basis, die zusammen mit der unvergleichlichen Stimme die Musik von Kari Bremnes ausmachen. Fünf Jahre mussten ihre treuen Fans auf ein neues Studioalbum warten, zwischendurch gab es immerhin 2007 mit "Reise" ein Livealbum. Mit "Ly" wird Kari Bremnes nicht enttäuschen.

Mit "Passelig Dose" ist der Einstieg ins Album eingängig. Spätestens wenn der Refrain zum zweiten Mal einsetzt, summt man mit, ob man nun weiß, was "...passelig dose en gang" heißt oder nicht. Es folgt in "Egentlig En Danser" die anrührende Geschichte des Taxifahrers, der eigentlich ein Tänzer ist, aber seit dem Tod seiner Frau nicht mehr tanzen kann. Ein Song, der obendrein noch mit einem wahrhaft sinfonischen Finale aufwartet. In "Ytterste Pol" lässt Gasttrompeter Arve Henriksen die Weite der nordnorwegischen Landschaft erahnen. Nach ihrem Songzyklus "Svarta Bjørn" (1998) besingt Kari Bremnes hier wieder die Geschichte einer starken Frau. Nämlich die einer Mutter aus Tromsø, die in den 30er Jahren nach Spitzbergen auswanderte und dort der arktischen Umgebung trotzte. Eben starke Frauen unter sich.

Schicksale, Alltagsgeschichten, vertonte Gedanken und Beobachtungen in gewohnt klarem Klang bietet "Ly" und damit genau das, was man von Kari Bremnes erwartet. Produziert von Bengt E. Hansson, dem Keyboarder und langjährigen musikalischen Begleiter, profitiert Kari Bremnes von der starken Band in ihrem Rücken, die ihre musikalischen Visionen umzusetzen weiß. Besonders Drummer und Perkussionist Helge Norbakken gefällt mit einigen wohl platzierten Rhythmen und dem extra Schlag mehr.

"Kåpa I Milano" überrascht mit sonnigsten Klängen, die beschwingt den locker-leichten Gesang begleiten. Mag ungewohnt sein, aber trotzdem gelungen. Nicht ganz so gelungen ist der Versuch vermeidlich moderne Poptöne einzubetten in "Levere Nåkka". Der Song erinnert mich ein wenig an die irische Geschwisterband The Corrs, als sie vollends in den banalen Pop abdriftete. Aber solch ein kleiner Ausrutscher ist zu verkraften, da der Rest des Albums sich auf einem sehr hohen Niveau hält.

Auf "Heile Mett Hjerte" funktionieren die Synthi-Klänge um einiges besser. Atmosphärisch dicht, ist es der perfekte Boden für die starke Stimme von Kari Bremnes, die hier mit der ganzen Bandbreite ihres stimmlichen Könnens aufwartet. Von zart zu kraftvoll und zurück. Damit gehört der Song zu einem der stärksten Songs des Albums, das kaum Schwächen hat und sich somit stolz einreihen kann in die Diskographie der großen Norwegerin, deren Backkatalog sowieso von erstaunlich homogener Qualität ist. Die "passelig Dose", die passende Dosierung aus Pop, Jazz und dem Kari Bremnes eigenen Sound hat sie eben schon lange gefunden.

HIER findet ihr übrigens noch ein ausführliches Interview mit der Norwegerin.

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