Sound Awake

2005 betraten Karnivool erstmals die Bühnen außerhalb Australiens und sorgten mit einem Sound zwischen virtuoser Verspieltheit, progressivem Bombast und experimentellen Ausflügen in verschiedenste Musikgattungen für Aufsehen. In Perth sind die Progger – entstanden aus einer High School Band – bereits seit 1997 aktiv und coverten zunächst hauptsächlich Titel von Nirvana. Doch schon 1999 erschien die erste EP mit eigenem Material und der Kreuzzug in die Ohren der verblüfften Zuhörer begann. Inzwischen hat man fünf westaustralische Musikpreise abgeräumt und mit "Themata" sowie "Sound Awake" zwei beeindruckende Longplayer veröffentlicht, die auch außerhalb des Kontinents Wirkung zeigen.
Die Soundgemälde von "Sound Awake" fesseln vom ersten Ton des Openers "Simple Boy" an und lassen den geneigten Zuhörer bis zum furiosen Finale nicht mehr los. Das Quintett legt einen harten Klangteppich, über dem die Vocals von Ian Kenny in höchsten Sphären schweben. Und das in einer Komplexität, die Referenzbands wie Porcupine Tree oder Tool zur Ehre gereichen würde. "Goliath" vereint Elemente von Jazz und Metal zu einer spannenden Melange, die alles andere als eingängig und doch mitreißend ist. Noch stärker "New Day": ein sanfter, melancholischer Beginn, der sich in hymnischen Bombast steigert, dazwischen aber stets das Tempo zurückfährt. Ein gelungenes Beispiel moderner Songwriterkunst zwischen alternativem und progressivem Rock. Acht Minuten zum Schwärmen.
Die Klangreise führt über elektronische Spielereien mit dem Verzerrer ("Set Fire To The Hive") über die entspannten Klänge von "Umbra" und das akustische Gitarrenspiel von "All I Know" bis hin zu der melancholichen Melodielinie in "The Medicine Wears Off" – bewegend und nicht von dieser Welt. Das letzte Albumdrittel fährt den Härtegrad deutlich hoch und liefert neben den Riffgewittern in "The Claudal Lure" und "Illumine" vor allem den epischen 10minüter "Deadman", der sich zum Meisterstück des Albums steigert. Zum Abschluss gibt es als Hommage an das erste Studiowerk "Themata" den Song "Change", den die Australier hier frei überarbeiten und in ein donnerndes Finale führen.
So wie "Sound Awake" darf Heavy Metal heute klingen. Vielseitig und neue Welten schaffend. Karnivool gelingt dieses Paradestück im Studio mit Bravour – die Livekünste können wir uns momentan in Deutschland ansehen:
06.03.2010 - Forum, Bielefeld
07.03.2010 - Logo, Hamburg
08.03.2010 - Luxor, Köln
09.03.2010 - 59to1, München