En Plats I Solen

Fehlende Produktivität oder fahrlässiges Zeitverschwenden kann den vier Schweden von Kent nicht vorwerfen. Jocke Berg, Markus Mustonen, Martin Sköld und Sami Sirviö legen mit "En Plats I Solen" bereits neun Monate nach der Veröffentlichung des achten Kent-Albums "Röd" den Nachfolger vor. Geriet eben dieses "Röd" zu eher langweiliger Herbstkost, so strahlen bei "En Plats I Solen" auch mal verführerische Sonnenstrahlen durch. Ewige Querverweise zu mehr oder weniger entfernten Verwandten wie Muse, Coldplay und Placebo sind passé, Kent orientieren sich bei ihrem neunten Longplayer lieber im Nachbarland Norwegen: Die zehn neuen Tracks strotzen nur so vor waschechtem a-ha-Pop.
Die Vorzeichen blieben auch nach der Veröffentlichung des Vorgängers gleich. Das Ziel, mit "Röd" auch außerhalb Schwedens zu einer großen Nummer zu werden, wurde verfehlt. Vielleicht schmiss man auch deshalb den lähmenden Blassbalast, den die ständigen Verweise auf Muse oder Coldplay mit sich bringen, von Bord und konzentrierte sich lieber auf das eigene, viel interessantere Stimmungsmeer. Die zehn neuen Songs wimmeln nur so vor verwinkelten Melodien, und auch wenn man nicht versteht, was gesungen wird, spürt man die mystische Verbindung von Gesang und Musik, die bei "Röd" gänzlich fehlte.
Dass Kent "En Plats I Solen" sogar selbst als ihr „Sommeralbum" bezeichnen, zeigt, wie entspannt man mit dem neuen Werk umgeht. Die breitwändigen Untiefen des Vorgängers hat man einfach bei Jon „Joshua" Schumann und den Berliner „Hansa-Tonstudios" gelassen und die neue Platte in Schweden zusammen mit Stefan Boman aufgenommen. Auch wenn manche Songs noch aus der "Röd"-Phase stammen, merkt man es ihnen glücklicherweise nie an.
Was seit gut zehn Jahren gleich bleibt, ist, dass Kent nur noch auf Schwedisch singen. Die beiden englischsprachigen Platten "Isola" (1998) und "Hagnesta Hill" (2000) sind in der Mottenkiste. Bei dem Status, den der Vierer im Heimatland hat, braucht man die sprachliche Allgemeingültigkeit auch nicht. Mit "En Plats I Solen" haben Kent sich endlich mal wieder eine längere Leine gelassen und ein Album aufgenommen, das ein absolutes Muss für alle Freunde von elegischer Popmusik ist.