Röd

Wer sich fragt, was der für deutsche Ohren etwas komisch anmutende Titel “Röd“, der vier Schweden von Kent, bedeutet: Rot. Eine Farbe, ein Titel, eine Platte – die mittlerweile achte der Herren Berg, Mustonen, Sköld und Sirviö. In den altehrwürdigen Hansa-Tonstudios zu Berlin (unter der Regie von Jon „Joshua“ Schumann) aufgenommen und darauf ausgerichtet endlich auch außerhalb Schwedens jetzt so richtig durchzustarten.
In ihrem Heimatland sind Kent nämlich ein ganz, ganz großes Ding. Im Rest der Welt haben sie diesen Status noch lange nicht erreicht. Hierzulande firmieren sie auch fast 15 Jahre nach ihrem selbst betitelten Debüt noch unter der Überschrift ‘Geheimtipp‘. Kent, das ewige Talent, das sich auch mit “Röd“ wieder nicht von dieser zweifelhaften Charakterisierung befreien kann. Die elf Tracks flippern zwischen New Wave, Brit Pop, 80s-Anleihen, Synthie-Liebe und modernem Stadionrock (irgendwo zwischen Coldplay und den Killers) hin und her, und das einzige, was die Schweden als wirkliches Unterscheidungsmerkmal in ihre Songs einbauen, ist die Sprache. Das Quartett textet auf Schwedisch und liegt damit zumindest beim Exotenfaktor ganz weit vorne.
“Röd“ ist ambitioniert und handwerklich perfekt umgesetzt. Das war es dann aber auch schon. Die Melodien sind nett, aber bei Weitem nichts Neues oder gar tauglich für eine Merkmalsdarstellung, die Kent von Bands wie Interpol, den Editors, Placebo, Muse oder den bereits erwähnten Herren von Coldplay sonderlich abheben würde. Kent bleiben mit “Röd“ außerhalb von Schweden eine Band unter vielen. Die Sprache bleibt das, was im Hinterkopf bleibt, nicht die Musik. Die ist zwar ganz possierlich, aber schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Kent bleiben eine Band für Eingeweihte.