Time To Tango

Kontrust stammen aus Österreich und entstanden 2001 als Nachfolger von Suicide Mission. Immerhin wurden sie mit ihrem Debüt "Welcome Home" 2006 zu Preisträgern des Austrian Newcomer Awards und konnten sich auf dem Frequency Festival und dem Nova Rock beweisen. Das zur Historie – spannender wird’s aber, wenn man mit "Time To Tango" den neusten Output einlegt.
Time To Tango? Ernsthaft? Ich kann euch versichern, dass sich eine Vielzahl von Musikrichtungen auf dem Album findet, doch einen Tango wird man vergebens suchen. Vielmehr bietet die Truppe um Sängerin Agata Jarosz und Shouter Stefan Lichtenberger einen sehr energetischen Sound, der viel Leidenschaft und Intensität in sich verbirgt. Unweigerlich schleichen sich Vergleiche zu den Guano Apes oder gar No Doubt in die Gehörgänge.
Ein kontrastreiches Vorgehen wird großgeschrieben – nicht nur in der chaotisch bunten Covergestaltung und in den Assoziationen, die durch die Namensgebung entstehen, sondern auch in der Gestaltung der Songs. Da ist zum einen die rockige, aussagekräftige Stimme von Agata, die in scharfem Kontrast zu Lichtenbergers aggressiven Vocals steht. So entsteht beginnend mit den ersten Tönen des Openers "Dancer In The Sun" ein vielseitiger Stilmix, der immer wieder aufhorchen lässt. Zuem finden sich spannende Percussion-Elemente in "Personal Rotation" und "The Smash Song", virtuos arrangierte, polyphone Gesangslinien und eine Agata, die immer mal wieder nach Doro Pesch klingt.
Die Band gibt sich sehr dynamisch mit kraftvollen Gitarren, groovendem Bass und doppelt besetztem Schlagwerk. Dazu kommt eine ausgereifte Produktion, die die Kreativität und den Abwechslungsreichtum des Sextetts betont. Die Ballade "Sin" hat keineswegs Alibi-Funktion. Vielmehr setzt man mit orientalisch anmutenden Klängen und dezentem Streichereinsatz akustische Akzente. "Clown Parade" führt ansatzweise in südländische Gefilde – eine Idee, die in "Lato" und "Vodka, Tribe And Dynamite" noch fortgeführt wird und über jüdische Klänge bis nach Griechenland führt. Besonders beeindruckt mich aber ein Song wie "Zero", in dem die Sänger virtuos eingesungene Melodielinien mit harten Crossover-Passagen mischen. Ein Song zum Immer-wieder-hören. Die Reise geht anschließend noch stärker in weltmusikalische Gefilde und widmet sich mit dem kurzen "Känämänännä" und einer spritzigen Hardcore-Version von "Bomba" dem afrikanischen Kontinent.
Österreich galt vielleicht bislang nicht gerade als Geburtsstätte innovativer Bands der Crossover- oder Hardcore-Szene, doch was Kontrust angeht, sollte man dringend mal ein Ohr riskieren.