Lana Del Rey

Born To Die

Veröffentlicht: 27.01.2012 / Vertigo / Universal Music

Von: Andreas Weist

Lana Del Rey

Kaum einem Debütalbum wurde in letzter Zeit so entgegen gefiebert wie Lana Del Reys "Born To Die". Warum eigentlich? Okay - "Video Games" ist ein klasse Song. Einer, den man sich immer wieder anhört, der in seiner Brillanz sofort ins Ohr geht. Nicht überproduziert, stattdessen ganz auf diese Stimme ausgelegt, die dem Hörer nicht mehr aus dem Kopf geht. Reduziert unterlegt mit Streichern und Harfenklängen. Könnte aber auch ein One-Hit-Wonder sein. Besteht Lana den Test eines vollständigen Albums? Sie tut es – und wie!

"Video Games" war ein offensichtlicher Hinweis, dass Lana Del Rey auf der Retrowelle mitschwimmt. Amy Winehouse, Adele, Duffy, Caro Emerald... Und dann kommt noch so jemand daher. Ein Hit, schon hochgejubelt. Ist noch Platz für eine (auch optische) Schönheit, die sich gerne mal als Gangsta-Nancy-Sinatra bezeichnen lässt? Songs wie "Blue Jeans" zeigen die stimmliche Vielfalt, mit der Lana überzeugen will und kann: eine laszive Alt-Stimme, aber auch in den Höhen glänzend. Damit kann man schon ein paar Blumentöpfe gewinnen.

Der Streicher-Himmel geht über dem kompletten Album auf. Alles ist sehr ruhig gehalten. Zwar gibt es in Songs wie "Diet Mountain Dew" spärlich eingestreute Elektronik-Parts, doch es wird ebenso deutlich, dass die Künstlerin solche produktionstechnischen Finessen gar nicht nötig hat. Ihre Musik schmeckt wie ein guter Wein, dem eine klassische Note anhaftet. Da ist dieser Filmmusik-Start mit dem Titelsong "Born To Die": instrumentaler Spannungsaufbau, etwas Rap im Hintergrund und die Stimme betritt das Szenario. Mit sauberer Intonation, etwas Timbre und dem typischen, leicht gelangweilt klingenden Grundton, an den wir uns im Lauf des Albums gewöhnen werden.

"National Anthem" zeigt, wie man Songs spannend aufbaut. Die Violinen erklingen, es gibt ein kleines Feuerwerk und in den Glanz dieser Bombast-Hülle schleicht sich plötzlich ein gesellschaftskritischer Sprechgesang ein. "Money ist the reason we exist."  So erzählt man nachhaltige Geschichten. Ich will Lanas Vocals auch gar nicht mit Nancy Sinatra vergleichen. Eher hat sie was von Shirley Bassey. Könnte "Million Dollar Man" nicht auch als Bond-Song funktionieren?

Lana Del Rey schreibt Songs, von denen der Hörer das Gefühl hat, dass sie tief aus ihrer Seele kommen. Sie will schrill sein, aber ohne Dance-Eskapaden und Geschrei. Da ist keine neue Lady Gaga geboren. Höchstens jemand, der sich in Zukunft wird mit Christina Perri um die Anwärterschaft auf den Pop-Thron streiten müssen.

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