Mothership (Doppel-CD + Bonus-DVD)

Totgesagte leben länger. Im Falle von Led Zeppelins Gesamtwerk, das gerade in Form einer Best Of Doppel-CD mit DVD veröffentlicht wird, trifft das 100%ig zu. The Who-Schlagzeuger Keith Moon behauptete nämlich noch vor der Gründung, eine Band um Jimmy Page würde „wie ein bleiernes Luftschiff abstürzen“ („The band will go over like a lead zeppelin“). Zur Verdeutlichung der korrekten Aussprache wurde kurzerhand das a gestrichen und als Name für eine Band übernommen, die zu den besten und erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten avancierte. Led Zeppelin-Songs gehören zum Weltkulturerbe und beeinflussen bis heute Künstler jeglicher Genres wie z.B. Puff Daddy, der 1998 Samples von „Kashmir“ verwendete.
Daher darf die Musik von Led Zeppelin in keiner Plattensammlung fehlen. Wer früher von seinen Geschwistern angefixt wurde, die ihre Kleinode verständlicherweise aber nicht abtraten, dem sei die neue Best Of-Box wärmstens ans Herz gelegt. Von dem Remastering ist zwar nicht viel zu hören, aber Led Zeppelin in cleanem und modernem Gewand möchte doch eh keiner haben. Aber auch diejenigen, die sich bisher nicht für die Band interessierten, dürften an den insgesamt 24 Songs und den 19 Konzertmitschnitten Gefallen finden - Rockgeschichte pur!
Angefangen hatte alles mit Gitarrengott Jimmy Page, der bis zur Led Zeppelin-Gründung zusammen mit Bassist Chris Dreja bei der Band The Yardbirds spielte. Nach dem Weggang von Jeff Beck, Keith Relf und Jim McCarty formierten Page und Dreja eine neue Band - Led Zeppelin ward geboren. Zwar musste Page kurze Zeit später ohne Dreja auskommen, fand aber schon bald mit Paul Jones einen adäquaten Ersatz. Mit dem damals noch relativ unbekannten Robert Plant am Mikro und Drummer John Bonham ging es auch gleich auf Tour als Support für Vanilla Fudge, Iron Butterfly, Alice Cooper und Country Joe and the fish.
1969, gerade mal ein Jahr nach Gründung, erschien mit „Led Zeppelin“ das Debüt-Album, das in nur 30 Stunden aufgenommen wurde und läppische 1.800 Pfund Produktionskosten veranschlagte. Ein Betrag, der den Stellenwert von Portokosten einnahm, denn das Album spielte insgesamt etwa 3,5 Mio. Pfund ein. Die Songs „Communication Breakdown“, „Good Times Bad Times“, „Babe I’m Gonna Leave You” und „Dazed And Confused“ sind auf dem neuen Best Of-Album vertreten.
Während der Siegeszug in den USA nicht zu stoppen war und man in England erste Erfolge verzeichnen konnte, tat sich das europäische Festland sehr schwer mit Led Zeppelin. Vor allen Dingen die TV-Auftritte in Dänemark, Frankreich und Deutschland waren ein Schuss in den Ofen. Bezeichnenderweise zeichnete Radio Bremen zwei Songs für den ARD „Beat-Club“ auf, legte das Material aber erst mal ein Jahr auf Halde, weil man bis dato noch nicht genügend überzeugt war. Folglich mied die Band „Pop-Formate“ im Fernsehen und legte den Fokus auf Alben und Liveauftritte. Die ersten Konzerte in Deutschland fanden 1970 im Rahmen einer Europatournee statt.
Bereits neun Monate nach dem Debüt legte die Band mit „Led Zeppelin II“ ein Album nach, welches „Abbey Road“ von den Beatles von der Spitzenposition der US-Charts verdrängte. Von diesem Album wurden „Whole Lotta Love“, „Ramble On“ und „Heartbreaker“ auf der neuen Best of verewigt.
Im Laufe der nächsten Veröffentlichungen und Tourneen rund um dem Globus waren Led Zeppelin so erfolgreich, dass sie in ihrem eigenen Flieger, einer Boeing 720, herumreisten und 1974 ihr eigenes Label gründeten. Der weltweite Triumphzug nahm seinen Lauf, wurde aber 1977 durch den Tod von Plants Sohn Karac für ein Jahr unterbrochen. Es folgten „In Through The Out Door“, das letzte offizielle Led Zeppelin-Album und weitere Tourneen.
1980 dann der nächste Schicksalsschlag, der die Auflösung der Band zur Folge hatte: Am 25. September fand man Drummer John Bonham tot in seinem Bett in Jimmy Pages Haus. Es heißt, dass er infolge übermäßigen Alkoholkonsums im Schlaf an seinem Erbrochenen erstickte. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen, die ein weiteres Album einschlossen, stellte Jimmy Page das letzte Album „Coda“ aus bisher unveröffentlichten Studio- und Live-Einspielungen zusammen.
27 Jahre nach ihrer Auflösung wird die Band mit John Bonhams Sohn Jason am 10.12. zu Ehren des Atlantic Records-Gründer Ahmet Ertegün in der Londoner O2 Arena spielen. Nach Angaben des Veranstalters haben sich mehr als 20 Millionen Menschen für die 20.000 Eintrittkarten beworben.
Die restlichen 19.980.000 können sich mit der DVD trösten. Diese enthält neunzehn Live-Mitschnitte von fünf Konzerten in der Royal Albert Hall, im Madison Square Garden, im Earlscourt, in Knebworth und auf einem Open Air-Gig in Australien. Neben tollen Gitarren- und Schlagzeugsoli kann man hier eine tiefe Brise Led Zeppelin-Bühnenluft schnuppern. Neben Musik- kommen hier auch Mode-Interessierte der 70er Jahre auf ihre Kosten - Flower Power und Glamrock-Outfits vom Allerfeinsten!