Leonard Cohen

The Collection (5 Original-Alben)

Veröffentlicht: 04.07.2008 / Columbia / SonyBMG

Von: Andreas Weist

Leonard Cohen

Es ist schon ein ungewöhnliches Unterfangen, das Lebenswerk eines Künstlers in einer Kollektion von fünf Original-Alben, die in einer Zeitspanne von immerhin 33 Jahren entstanden, würdigen zu wollen. Sony BMG versuchen aber genau dies aus Anlass der Aufnahme Leonard Cohens in die „Rock’n’roll Hall Of Fame“ im März 2008. Wer die Longplayer schon besitzt, dem wird im Prinzip nichts Neues geboten: die CDs kommen ohne Bonustracks als Mini-Replikanten der Vinylausgaben daher und enthalten kein gesondertes Booklet, aber bis auf eine Ausnahme die Lyrics auf der Rückseite der Papphülle, die dann jedoch nur mit Lupe zu lesen sind. Die Silberlinge stecken zudem in einer roten Papierhülle und alles zusammen kommt in einer roten Cube-Box in den Handel. Einziges Extra ist ein zusätzliches 12seitiges Booklet, das neben drei Fotos des Protagonisten nur eine Auflistung der Songs mit den obligatorischen Rechtehinweisen enthält. Wahrlich nichts Weltbewegendes also – wenn man auch zumindest den Sammlerwert der gesamten Box an sich als liebevoll aufgemachtes Kleinod respektieren muss.

Das Album „Songs Of Leonard Cohen“ ist das vielbeachtete Debütwerk aus dem Jahr 1968. Gerade war Cohen auf dem renommierten Newport Folk Festival entdeckt worden und Produzent John Hammond glaubte an ihn als einen zweiten Bob Dylan. Noch heute gilt das Debüt des Kanadiers als eines der einflussreichsten Alben seiner Zeit. Man hört hauptsächlich Cohens Stimme und die Gitarre. So werden mit viel Poesie Hits für die Zukunft wie „Suzanne“, „Sisters Of Mercy“ und „So Long, Marianne“ interpretiert. Letzteres mit dem Hintergrundgesang von Nancy Pride. Der Stil des Albums war und ist prägend für viele Singer / Songwriter, die Cohen folgen sollten.

Die folgenden fünf Alben werden in der Collection nicht berücksichtigt. Ende der 70er Jahre wandte sich Cohen immer stärker religiösen Themen zu, was auch auf dem Album „Various Positions“ seinen Niederschlag findet, das 1984 nach fünfjähriger Pause erschien. Neben dem eindringlichen Gebet „If It Be Your Will“ enthält es auch eines der meistgecoverten Stücke der Musikgeschichte: „Hallelujah“, das in jüngster Zeit als Bestandteil des Soundtracks für den Animationsfilm „Shrek“ herhalten musste und auch gerne mal von Künstlern wie Reamonn, Judith Holofernes oder Claudine Muno neu eingesungen wurde. Alles in allem ein sehr ruhiges Album, das dennoch etwas von der Melancholie der ersten Schaffensjahre abrückt und viel Humor und Abwechslung in den Mittelpunkt stellt.

Die drei Nachfolger im Reigen der Studioalben sind in der Box enthalten und machen den Fünfer komplett. „I’m Your Man“ aus dem Jahr 1988 enthält einige weitere Klassiker aus dem Repertoire Cohens wie „Tower Of Song“, den Titeltrack „I’m Your Man“ und natürlich das unzählige Male gecoverte „First We Take Manhatten“ – ein weiteres Stück Musikgeschichte. Die elektronischen Klänge sind ein Novum in der Arbeit Cohens, tun aber der positiven Rezeption keinen Abbruch.

CD 4 „The Future“ (1992) wurde vom Zusammenbruch des Kommunismus und dem Fall der Berliner Mauer stark beeinflusst. Es ist ein äußerst politisches Werk und trotz der gesprengten Fesseln auf dem Cover zeichnet Cohen kein rosiges Bild der erwarteten Zukunft. Das Stück „Anthem“ funktioniert als mitreißende Hymne, die durch Cohens inzwischen sehr sonoren Bass noch an Prägnanz gewinnt. Und auch Oliver Stone erkannte den bedrohlichen Charakter der Musik und nutzte „Waiting For The Miracle“ als Titelstück für den skandalumwitterten Film „Natural Born Killers“.

Neun Jahre später schließlich kehrte der Meister nach seiner Auszeit in einem buddhistischen Kloster mit „Ten New Songs“ überraschend in die Öffentlichkeit zurück. Das Spätwerk kann allerdings nicht mehr überzeugen, da es sehr poppig gehalten ist und somit in eine stilistische Richtung geht, die man nicht von Cohen erwartet hatte.

Ist ein Fazit nötig? Klar war und ist Leonard Cohen ein musikalisches Genie, ein Wegbereiter der Songwriterszene und Vertreter hervorragender Gitarrenmusik. Die Interpretationen seiner Songs durch andere Künstler aller Stilrichtungen sind Legion. Doch bei dieser Box bleibt der bittere Beigeschmack, dass sie ziemlich ohne Konzept daherkommt. Das Debüt, dann der Sprung über die 70er Jahre, drei Folgewerke und ein spätes Stück Peinlichkeit? Wer noch keines der Alben besitzt (was ich kaum glaube) oder nur das Debüt (wie ich für mich gestehen muss), kann hier zumindest einen gute Überblick über eine beeindruckende Karriere gewinnen. Cohen-Sammler dürften auch ihre Freude an der Replik-Aufmachung haben. Und alle anderen richten mal ihr Augenmerk auf die geplante Deutschland-Tour.

Hier die Termine:

25.07.2008 - Lörrach
04.10.2008 - Berlin - O2 Arena
06.10.2008 - München – Olympiahalle
31.10.2008 - Hamburg – ColorLine Arena
02.11.2008 - Oberhausen – König-Pilsener Arena

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