Lily Electric

You’re In The Painting You Saw

Veröffentlicht: 17.04.2009 / Ponyrec / Indigo

Von: Andreas Weist

Lily Electric

Was sich vom Bandnamen her im ersten Moment nach einer neuen Dancefloor-Königin anhört, sind vier Jungs aus Kopenhagen, die seit zwei Jahren über die Bühnen der Welt touren, sich inzwischen einen Namen als Support für The Kooks oder auch Maximo Park gemacht haben und schon diverse Festivals in Dänemark, Deutschland und den USA mit ihrer Anwesenheit beglücken durften. Das Debütalbum ist in Skandinavien schon länger erschienen und findet jetzt auch den Weg in deutsche Plattenläden.

Aufgenommen und abgemischt wurde das Album im Berliner DDR-Rundfunkhaus gemeinsam mit dem dänischen Produzenten Mikkel Holtoug und Dimitri Tikovoi, der auch schon für John Cale, Placebo und The Horrors tätig war. Von Berlin aus will das Quartett nun die Indie-Herzen erobern, was ihm durchaus gelingen dürfte.

Zunächst fällt das schöne Cover auf. Recht bunt, mit venezianischen Vogelmasken – auf jeden Fall mal weg vom poppigen Einheitsbrei. Das Gleiche gilt auch für die Musik. Lily Electric machen Indiepop, der nicht langweilig wird, sich nicht ständig wiederholt. Der Opener und Titeltrack ist harmonisch, gitarrenorientiert und eingängig. Ebenso "Do You Miss Your Feathers", das eine klare tanzbare Komponente mit sich bringt. Wir hören Britpop-Anleihen in "Naughty Girl" neben balladesken Tönen, die zu "In Your Room" erklingen.

Vor allem die zweite Albumhälfte baut mit psychedelischen Tönen eine enorme Spannung auf. Schon "Churchbells" erinnert an die komplex arrangierte, alles andere als eingängige Seite der Beatles. Und dann nimmt nach und nach die dunkle Seite der Band mehr Raum ein, folgen mit "Do You Bear The Truth In Your Silver Hands" und "Blasted" sehr experimentelle Songs, die auch schon mal mit ausschweifenden Keyboardklängen die Nerven der Zuhörer strapazieren. Das ist wahrlich kein easy listening.

Für ein Debütalbum legen die Dänen ein virtuoses Songwriting an den Tag und es zeigt sich, dass dieses Werk nicht über Nacht entstanden ist sondern jahrelanger Vorbereitung bedurfte. Mit den Kooks und Maximo Park hatten sie ja ordentliche Lehrmeister. Mal sehen, was die Zukunft so bringt.

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