Catching A Tiger

Der erste Eindruck des CD-Covers täuscht hier mal nicht – so wie die Sängerin Lissie uns da sommersprossig und mit zerzausten Haaren anschaut, so natürlich und erfrischend ist auch ihre Musik. Bei Rock am Ring bezauberte die junge Frau aus Illinois bereits das Publikum vor der Alterna-Stage, nun macht sie sich daran, mit ihrem Album "Catching A Tiger" den europäischen Musikmarkt zu erobern.
Gekonnt mischt die Songwriterin Country-Folk-und Blues-Elemente zu ihrem eigenen Sound. Das Ergebnis sind entspannte Ohrwürmer wie die aktuelle Single "When I´m Alone" oder "Cuckoo", aber auch eindrückliche Balladen wie "Bully" und "Everywhere I Go". Ihre traditionellen Wurzeln offenbart Lissie mit dem einfachen aber eingängigen "Stranger" oder mit "Oh Mississippi", das wie ein amerikanisches Volkslied klingt. Mit rockigen Gitarren kommt dagegen "Loosen The Knot" daher, "Worried About" hat jede Menge Rhythm & Blues, und "Record Collector" überrascht mit einem sakral wirkenden Zwischenteil.
Bei Lissie lohnt auch ein genauerer Blick auf die Songtexte. So sehnt sich in "In Sleep" eine verlassene Frau nach dem Schlaf, um im Traum mit ihrem Liebsten wieder vereint zu sein, und "Look Away" ist ein verwirrender Einblick in die komplizierte weibliche Gefühlswelt. Humorvoller geht es in "Little Lovin´" zu, wo Lissie in den Strophen mit den Namen verschiedener amerikanischer Staaten spielt. Dieser Song gehört auch musikalisch zu meinen Favoriten mit seinem schönen Intro, dem Gänsehaut erzeugenden Harmoniegesang und der langen rhythmischen Endpassage.
Am Ende weiß man zwar immer noch nicht, was der Albumtitel "Catching A Tiger" eigentlich bedeuten soll, fühlt sich aber musikalisch wunderbar unterhalten und drückt gerne den Replay-Knopf. Vor allem für längere Autofahrten ist das Album zu empfehlen – zwar fehlen hierzulande die menschenleeren sonnigen Highways, aber auch der nächste Stau lässt sich mit Lissies Musik bestimmt leichter ertragen!