1000 km bis zum Meer

Aus Iserlohn stammend ist die Formation um Frontfrau Janine „Jini“ Meyer schon seit einigen Jahren im Raum NRW aktiv und überzeugte unter anderem als mitreißende Vorband von Laith Al-Deen und bei der Wahl zur besten Rock/Pop-Newcomer-Band NRWs. Dabei folgen sie jedoch nicht den deutschen Herzschmerz-Pfaden, sondern bieten eine kräftige, energiegeladene Portion Rock mit Anleihen an Bands wie den Guano Apes, H-Bloxx und Hidden Timbre, ohne sich dabei hinter englischen Texten zu verstecken.
Songs wie „Solange es noch geht“ und der Titelsong „1000 km bis zum Meer“ bieten emotionale Texte gepaart mit rockigen Beats und viel Spielfreude. Die Stücke werden ganz von Jinis Ausnahmestimme getragen, die mich von Beginn an überzeugt. Mit viel Power kommt das vorwärts treibende „Soll das etwa alles sein?“ daher und lädt mit starken Riffs zum Abrocken ein, bevor die Ballade „Unsterblich“ sich auf eine wunderschöne Pianolinie zu emotional vorgetragenen Vocals beschränkt. Ein Album, das durch die Kontraste zwischen den Songs lebt und eine breite Vielfalt bietet. In den balladesken Songs hat Jini gar einen Hauch von Amy Lee (Evanescence) in der Stimme. Auch rhythmisch ungewöhnlich arrangierte Songs wie „Ja Ja“ und das elektronisch verspielte „Was ist mit mir?“ finden ihren Platz.
Mein Anspieltipp heißt „Alles wird gut“ und ist ein überaus kraftvoll produzierter Song – komponiert aus starken Heavy-Gitarren, einer zarten Pianomelodie und pathetischen Vocals, die zu einer genialen klanglichen Symbiose zusammenfinden. So muss guter Deutschrock heute klingen. Und wer gerade dabei ist, hört am besten noch in die Ballade „Von jetzt an“ rein, die einmal mehr Gänsehaut erzeugen kann.
Die letzte deutsche Band, die mich auf Anhieb so überzeugen konnte, hieß Silbermond. Parallelen sind klar vorhanden – und die beschränken sich nicht nur auf die sympathische Frontfrau und den rockigen Grundton, sondern sind ganz klar der Qualität der musikalischen Darbietung zu verdanken. Wer mal unverbindlich reinhören möchte, sollte der E-Card (HIER) ein Ohr gönnen. Ihr werdet es nicht bereuen.