Luxuslärm

So laut ich kann

Veröffentlicht: 29.01.2010 / Die Opposition / Intergroove

Von: Andreas Weist

Luxuslärm

2008 sorgte die junge deutsche Band aus Iserlohn mit ihrem Debüt "1000 km bis zum Meer" zwar noch nicht für Furore im Musikbusiness, doch zumindest für weit geöffnete Ohren in der Musicheadquarter-Redaktion. Inzwischen ist mit der Band um Frontfrau Janine Meyer definitiv zu rechnen. Schließlich gewann man erst kürzlich die begehrte "1Live Krone" als beste Newcomer-Band und seitdem läuft die erste Single-Auskopplung "Sag‘ es wie es ist" mit beachtlichem Airplay.

Luxuslärm sind in vielen Punkten eine Ausnahme – wenn es auch im ersten Moment so klingt, als sei da jemand im letzten Moment auf den vor Jahren abgefahrenen Zug deutschsprachiger Rockmusik mit Frontfrau aufgesprungen. Doch mal ehrlich: Wo bleiben die innovativen Alben dieser Sparte? Silbermond haben sich (auf hohem Niveau) etabliert, Juli hüllen sich in Schweigen und Wir sind Helden zelebrieren Judiths zweite Elternzeit. Da sollte doch Platz sein für spannenden neuen Rock mit Tiefgang.

Beschwingt geht’s los mit "Sag‘ es wie es ist" und dann folgt Rockkracher auf melancholische Ballade, "Nichts ist zu spät" auf "Sie sieht es nicht". Für "Jemand anders sein" kam Gastsänger Laith Al-Deen mit an Bord und schafft im Duett mit Jini Meyer einen gefühlvollen Dialog für verträumte Gemüter. Härter geht es wieder mit "Du weißt nicht wie das ist" und "Wirf den 1. Stein" zur Sache, doch insgesamt bleibt der Zweitling um einiges ruhiger als das Debüt. Das tut allerdings dem Spaß an der Musik keinen Abbruch. Eine Pianoballade wie "Vergessen zu vergessen" (ganz im harmonischen Stil von Rosenstolz) und das hymnische "Etwas bleibt" sind Songs zum Immer-wieder-hören.

Ihre Unabhängigkeit haben sich Luxuslärm von Anfang an gewahrt und machen sich einen Namen über die Ochsentour durch Clubs und kleine Hallen. Wer da besteht und nach 30 Zuschauern beim ersten Gig im Folgejahr vor 500 Interessierten steht, der braucht keine VIVA-Chartshow und kreischende Teenies, um sich wohlzufühlen. In der Politik spricht man seit Jahren von Nachhaltigkeit – und diese will hart erarbeitet sein. Der Erfolg könnte Luxuslärm schon in Kürze Recht geben. "So laut ich kann" hätte es allemal verdient.

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