Labyrinth (Limited Deluxe Edition, CD / DVD)

Mit "Frieden im Krieg" hatten die Norddeutschen die schwierige Aufgabe "drittes Album" souverän gemeistert – dann war erst einmal eine Art Neubesinnung angesagt. Eine Zeit, in der Songwriter Sebastian Madsen nach eigenen Angaben gut 50 Songs produzierte, von denen zwölf nun das neue Studiowerk zieren. "Größe" war das Stichwort, mit dem man sich neue Hörerschichten erschließen will. "Größenwahn" mögen da einige schreien, doch man hat schon nach den ersten Hördurchläufen das Gefühl, dass sich die Basis der Songs wirklich geändert hat: vom tiefen Indiekeller hin zu den angesagten Bühnen von "Campus Invasion" oder gar "Rock am Ring".
Stadionrock – was da so mitschwingt sind natürlich Namen wie Queen, U2, die Toten Hosen und Led Zeppelin. Und ohne im Allgemeinen allzu sehr abzukupfern, wird auch durch das komplette Album hindurch "zitiert", was das Zeug hält. Gerade aus den vier genannten Kategorien. Warum schreibe ich "im Allgemeinen"? Weil es da ein Stück gibt, in dem eine allseits bekannte Rockhymne bis in kleine Details regelrecht kopiert wird. Und dies wurde ausgerechnet zum Titelstück des Albums. Mag nun der ein oder andere diese Vorgehensweise belächeln, gar "Blasphemie" rufen – für mich gehört "Labyrinth" zum genialsten, was ich seit langem gehört habe, und Madsen sei gerne verziehen, dass sie sich so unverblümt an Aufbau und Songstrukturen von (ich will euch nicht länger auf die Folter spannen) Queens "Bohemian Rhapsody" bedienen und ganze Passagen fast 1:1 übernehmen. Das knapp 6minütige Werk, das daraus entstanden ist, strotzt trotzdem vor Einfällen und fasziniert vom ersten Ton an.
Doch keine Sorge, Madsen haben sich jetzt nicht um 180 Grad gedreht. Viele Stücke klingen genau so, wie sich die Fans dies erwarten dürfen. Okay, es wird nicht mehr so viel geschrien, wie zuvor. Nur "Blockade" führt in die alte, äußerst rebellische und aggressive Weltsicht zurück und macht gerade deshalb ganz besonders Spaß. "Das muss Liebe sein" hingegen erinnert sehr an die Toten Hosen. Eingängig und massentauglich. Die Madsen der letzten Alben finden sich in Songs wie "Lass die Liebe regieren" und "Sieger". Für "Obenunten" begibt man sich gar auf ganz und gar romantische Pfade und der Song wurde als Duett mit Lisa Nicklisch aufgenommen. Somit sollte für jeden was dabei sein.
Die "Limited Deluxe Edition" enthält mit "Leben" und "Legende" zwei Tracks mehr und wird von einer Doku-DVD begleitet, die im Februar hauptsächlich im Proberaum der Band aufgenommen wurde und viel zur Entstehungsgeschichte von Album und einzelnen Songs aussagt. Die meisten Stücke werden angespielt und mit Kommentaren der Bandmitglieder versehen. Da das Ganze auch noch als schickes Digipack daher kommt, kann ich alle Interesssenten nur auf dieses Package verweisen.
Also: Der Sound hat sich gewandelt, doch Madsen sind die Alten geblieben. Ich denke nicht, dass die große Fanschar enttäuscht sein wird. Selbst die Punk-Fraktion bekommt ihr Stück vom Kuchen ab. Doch stellenweise wird schon ein wenig dem Mainstream gehuldigt, und daher dürfen auch Interessenten dem Album gerne mal ein Ohr gönnen, die bisher ob der vermeintlichen Verwurzelung in der dunklen Indie-Ecke einen Bogen drum rum gemacht haben.