Marc Cohn

Listening Booth: 1970

Veröffentlicht: 20.08.2010 / Membran / Neo / Sony Music

Von: Sascha Knapek

Marc Cohn

Marc Cohn kennt man vor allem durch seine mit dem Grammy ausgezeichnete Nummer "Walking In Memphis" von seinem Debütalbum "Marc Cohn" (1991). Das ist mittlerweile fast 20 Jahre her und der ein oder andere wird den Singer/Songwriter seitdem etwas aus den Augen verloren haben. Besonders die knapp neun Jahre zwischen dem dritten Album "Burning Daze" (1998) und der vierten Platte "Join The Parade" (2007) waren eine lange Zeit. Cohn tourte in der Zwischenzeit zwar u.a. mit Künstlern wie Suzanne Vega, an den Erfolg von "Walking In Memphis" konnte er allerdings nie wieder anknüpfen. Mit seinem fünften Studiowerk, "Listening Booth: 1970", verändert Marc Cohn seinen Ansatz. Der Songwriter verlässt sich diesmal auf Werke anderer Berufskollegen und interpretiert zwölf Songs, die ihn deutlich prägten.

Rang und Namen hat dabei jedes Stück, das Marc Cohn für sein fünftes Studioalbum auswählte. Ob "Wild World" (Cat Stevens), "Into The Mystic" (Van Morrison)", "Look At Me" (durch ein "I Am The Walrus"-tag wird’s zu einer waschechten Lennon/McCartney-Nummer)", "After Midnight" (J.J. Cale)", "The Only Living Boy In New York" (Paul Simon) oder "Long As I Can See The Light" (John Fogerty), die Titel müssten jedem halbwegs musikbegeisterten Menschen etwas sagen.

Dass Marc Cohn nicht den leichten Weg geht und die zwölf Nummern einfach nur nachspielt, macht "Listening Booth: 1970" zu einem durchweg gelungenen Unterfangen. Zusammen mit den beiden Produzenten John Leventhal (Johnny Cash, Joan Osbourne) und Rick DePofi (u.a. Roseanne Cash) zaubert er jedem Stück ein neues Gesicht auf den allseits bekannten Werkkörper. Unterstützt wird er dabei u.a. von India.Arie, Aimee Mann und Kristina Train.

2005 wurde Marc Cohn Opfer eines Überfalls. Ein Krimineller wollte das Auto des 51-jährigen stehlen und schoss Cohn dabei mit einer Pistole in den Kopf. Wie durch ein Wunder drang die Kugel nicht in die Schädeldecke ein und der Songwriter weilt weiterhin unter uns. Mit "Listening Booth: 1970" huldigt er nun seinen Heroen und die Ruhe und Abgeklärtheit, mit der er das tut, ist eine der großen Stärken des vorliegenden Songzyklus. Organisch instrumentiert, mit der nötigen Rücksicht auf die legendären Originale und mit unglaublich viel Seele covert sich Marc Cohn durch zwölf Songs aus seinem ganz persönlichen Poesiealbum des Jahres 1970. Dass er uns als dreizehnten Track nicht eine Neuaufnahme von "Walking In Memphis" unterjubelt, zeigt, dass sich Cohn bei diesem Album nicht wichtiger nimmt als nötig. Im Fokus stehen ein Dutzend Klassiker. Dass Cohn selbst einen davon im Ärmel hat, braucht er uns nicht zu beweisen.

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