Ghost Of Love

Hätten wir jetzt bereits Oktober oder November, das Debütalbum von Marie Fisker wäre für mich eine der Platten des Monats. Aber auch so passt der langsame, melancholische Folk der dänischen Sängerin perfekt zum derzeitigen wechselhaften Wetter. Und letztendlich ist ja nicht unbedingt der ausführende Interpret dafür verantwortlich, zu welcher Jahreszeit sein Werk nun veröffentlicht wird.
Geschlagene zehn Jahre hat die 34-jährige in ihrem Kopenhagener Studio an dem Erstling gefeilt, der in Zusammenarbeit mit Jakob Høyer (früherer Schlagzeuger der Raveonettes) entstand. In der Zwischenzeit war sie unter anderem mit Pete Doherty, Juliette Lewis und Devendra Banhart als Support-Act unterwegs und stand mit dem Techno-Produzenten und Landsmann Anders Trentemøller vor 50.000 Zuschauern beim legendären Roskilde-Festival auf der Bühne.
Die zehn Stücke von "Ghost Of Love" sind zunächst einmal Songwriting par excellence. Gelassen und ein wenig lasziv trägt die sanfte, dunkle Stimme Fiskers die Musik, die teils sehr minimalistisch instrumentiert ist und trotzdem eine so hohe Dichte entwickelt, dass man streckenweise Gänsehaut bekommt. Slide- und Akustikgitarre, Bass, Tambourin, Mundharmonika und ein weiches Schlagzeug - mehr braucht der Soundkosmos der Skandinavierin nicht. Das erinnert in einigen Momenten sogar an den staubigen Wüstenrock von Calexico. Aber auch das altbewährte Modell eines Duetts kommt beim letzten Song "Good Till Now" zum Einsatz, das die Liedermacherin zusammen mit Steen Jørgensen abliefert und damit einen würdigen Schlusspunkt setzt.
Helgi Hrafn Jonsson, ein junger isländischer Sänger, der sie ebenfalls mit auf Tour nahm, kündigte sie als "weiblicher Nick Cave, nur besser" an. Manch einer zieht auch Parallelen zu The Velvet Underground und dessen Sängerin Nico. Mir erging es bei der ersten Hörprobe, als hätte ich ein neues Album von Cat Power oder PJ Harvey vorliegen. Nicht die allerschlechtesten Referenzen also.
Dennoch - bei all den Vergleichen - will Marie Fisker sicher ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickeln. Dafür steht sie ja erst am Anfang ihrer Solokarriere. Der Start ist jedenfalls mehr als gelungen - hoffen wir, dass für die zweite Etappe nicht weitere zehn Jahre ins Land ziehen müssen.