Marteria

Zum Glück in die Zukunft

Veröffentlicht: 20.08.2010 / Four Music / Sony Music

Von: Andreas Weist

Marteria

Nach dem Megaerfolg von Peter Fox‘ Soloschlag und seiner Rückkehr zu Seeed stellte und stellt sich die Frage, ob jemand diese Lücke eines generationenübergreifenden Publikumslieblings füllen kann. Jan Delay stellte sich mal parat – doch zu vielen gefällt seine näselnde Stimme einfach nicht. Aber da war doch mal ein Rapper aus Rostock, der Jan Delay bei einer Tour supportete. The Krauts, das Produzententeam von "Stadtaffe" und von Miss Platnums "The Sweetest Hangover" haben sich das neuste Werk dieses Rappers, der sich abwechselnd Marteria und Marsimoto nennt, angenommen und ein sehr fett produziertes Werk mit dem Titel "Zum Glück in die Zukunft" draus gemacht. Um nichts dem Zufall zu überlassen, gibt es Features von Jan Delay, Miss Platnum und Peter Fox himself. Auf ein Lebenszeichen des Berliners warten nun einmal viele Fans sehnsüchtig.

Der Opener "Endboss" erinnert so auch erschreckend an die "Stadtaffe"-Songs. Allerdings sind die elektronischen Elemente viel weiter ausgedehnt – passend zu den Lyrics, die sich mit Computerspielen und ihrer Umsetzung in die reale Welt beschäftigen. Auch in "Verstrahlt" verstecken sich die aussagekräftigen Texte hinter verspielten Keyboardmelodien.

"Amys Winehose" ist ein typischer Rapsong mit anklagendem Text, der bis auf den Titel nichts mit dem Soul der Sängerin gemein hat. Amy Winehouse ist aber nicht die einzige Prominente, auf die im Verlauf des Albums angespielt wird. Da gibt es noch den Track "Kate Moskau" und das stark veränderte Madonna-Cover "Marteria Girl". Zudem widmet sich die düstere Ballade "Seit dem Tag als Michael Jackson starb" der ärmer gewordenen Welt nach dem Tod des King of Pop.

Jan Delay verfeinert den Refrain von "Wie mach ich dir das klar". Und es tut gut, mal wieder die Stimme von Peter Fox im atmosphärischen Track "Sekundenschlaf" zu hören. "Veronal (eine Tablette nur)" besticht zwar durch spannende Lautmalereien – der Einfluss der extravaganten Miss Platnum kommt aber leider zu kurz.

Marteria bietet intelligente Texte und einen Sound, der die Massen bewegen könnte. Sicher nicht nach jedem Geschmack, doch in seiner Gesamtheit sehr sympathisch. Ein ordentlicher Schritt in die Zukunft! Hätten die Produzenten statt der oft nervigen Elektro- und Dub-Spielereien stärker auf orchestrale Elemente gesetzt, wäre eventuell der legitime Nachfolger für "Stadtaffe" gefunden. Doch letztlich ist es gut, dass man sich nicht zum Kopieren im eigenen Haus entschieden hat.

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