Hell In A Handbasket

Für den glanzvoll zelebrierten Abschied von Thomas Gottschalk musste jemand Schwergewichtiges her: Meat Loaf präsentierte sein neues Album – allerdings nur in einem kurzen Ausschnitt. Den Großteil des Medleys nahmen seine Uralt-Hits ein. Das ist durchaus mal wieder sinnbildlich zu verstehen. Meat Loaf läuft seit Jahren den Hits hinterher, die er im Verbund mit Jim Steinman hatte. Stimmlich top. Im Duett mit Patti Russo gewaltig. Aber es fehlt das gewisse etwas. Im letzten Jahr war für "Hang Cool Teddy Bear" Rob Cavallo als Produzent mit dabei. Ein echter Lichtblick, denn das Konzeptalbum war perfekt inszeniert und lieferte ein melodisch durchdachtes und mit viel Bombast versehenes Alterswerk, das zu begeistern wusste.
Für "Hell In A Handbasket" ist in Person von Paul Crook (Anthrax, Adam Lambert, Sebastian Bach usw.) ein neuer Steuermann an Bord. Das soll vermutlich frischen Wind in die Produktion bringen, doch nach einigen Hördurchläufen wirkt das Ergebnis für mich wie Stückwerk. Es gibt viele moderne Elemente – als Zugeständnis an den Zeitgeist. So steuerte Public Enemy-Legende Chuck D einen Rap zur Coverversion von "Mad Mad World" bei und mit Lil Jon findet sich überdies ein weiterer Star des Genres auf dem Album. Der Rapper und Produzent hatte zusammen mit Meat Loaf in der TV-Show "Celebrity Apprentice" mitgewirkt und ist nun auf dem Track "Stand In The Storm" zu hören. Alles jedoch recht experimentell und gewöhnungsbedürftig.
Auch die Coverversion von "California Dreamin‘" sollte man anhören und schnell wieder vergessen. Meat Loaf hat diesem Klassiker keine neuen Aspekte hinzu zu fügen sondern interpretiert ihn auf verstörende Weise. Einziger Lichtblick ist hier noch Patti Russo als Duettpartnerin. Wer den alten Meat Loaf hören will – so wie wir ihn kennen und lieben – muss auf einen Song wie "All Of Me" zurück greifen. Bezeichnenderweise auch die erste Single-Auskopplung. Orchestrales Outfit, viel Piano und für Meat Loaf die Möglichkeit, seine ganze Theatralik auszuleben. Auch "Another Day" und "Forty Days" sind in dieser Hinsicht durchaus hörbar.
Alles in allem ein mutiges Album. Aber ich bezweifle, dass Meat Loaf sich einen Gefallen tut, wenn er auf die alten Tage die ausgetretenen Pfade des Bombast-Rock verlässt. Fans werden trotzdem zugreifen und sich an den glanzvollen Vocals erfreuen.