Death Magnetic

Fünf Jahre sind seit dem letzten Metallica-Album "St. Anger" vergangen und bei vielen ihrer Fans gilt der Longplayer nach wie vor als wenig innovatives Gebolze. Um den Nachfolger "Death Magnetic" wurde von der Plattenfirma seit Monaten ein derartiger Hype veranstaltet wie ich ihn in den letzten Jahren selten erlebt habe. In den allermeisten Fällen spricht dies dafür, dass schon im Vorfeld von mangelnder Qualität abgelenkt werden soll. Anfang August gab es beispielsweise das deutsche "Tribute To Metallica", vor zwei Wochen dann die Videoweltpremiere zur ersten Single "The Day That Never Comes", anschließend ein schickes Widget als Countdown bis zum Release, ein Metallica Online-Quiz und schließlich zwei exklusive Album Release Partys am heutigen Veröffentlichungstag in Berlin (zur Eröffnung der O2 World) und am 15.09. in London.
Damit sich der Hype auch in barer Münze auszahlt, erscheint "Death Magnetic" nicht nur als Standard-CD, sondern darüberhinaus als limitierte Vinylbox, limitiertes Digipack und limitiertes Deluxe Boxset, letzteres mit Bonus-CD, DVD, T-Shirt, Fahne, vier Gitarrenplektren und einem Bandposter in Sargform. Kostet dafür auch nur schlappe 100 Euro. Immerhin spenden Metallica alle Ticketeinnahmen aus Berlin an das dort ansässige Deutsche Herzzentrum.
Allerdings hat sich "Death Magnetic" diesen Hype vollauf verdient! Dass Metallica nochmal ein solches Album aus dem Ärmel schütteln würden, hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Als allererstes fällt die im Gegensatz zu "St. Anger" sehr gute Soundqualität ins Ohr, was wohl der Arbeit von Produzentenlegende Rick Rubin zu verdanken ist. Sollte zwar eigentlich selbstverständlich sein, klang 2003 aber teilweise trotzdem wie durchs Telefon aufgenommen und steigert den Hörgenuß aktuell erheblich. Deshalb gleich zu Anfang die Devise: Hört es vor allen Dingen laut! "Death Magnetic" schlägt quasi die Brücke vom Speedmetal des 1988er "...And Justice For All" hin zum eher gemäßigten schwarzen "Metallica"-Album von 1991. Es ist ein Album wie ein Sturm!
Die zehn Songs, mit einer Länge zwischen fünf und zehn Minuten, strotzen nur so vor Kraft und Spielfreude. Der Opener "That Was Just Your Life" fängt bezeichnenderweise mit einem klopfenden Herzen an und lässt die Frequenz dann schnell bis zum Pegelanschlag steigen. So geht es insgesamt 75 Minuten lang weiter. "The End Of The Line" hat ein paar Funk-Metal-Anleihen á la Rage Against The Machine, eine gesunde Portion Trash und eine Spur Prog-Rock zu bieten. Ganz gross! Wie überhaupt die gesamte Gitarrenarbeit von James Hetfield und Kirk Hammett. Mal mehrstimmig ("The Day That Never Comes" oder "The Judas Kiss"), mal von herrlichen (stakkatoartigen) Soli unterbrochen oder mit fast schon orgiastisch aufgetürmten Klangwänden wie im fulminanten Instrumentalstück "Suicide & Redemption". Ein Song für die Ewigkeit! "The Unforgiven III" ist mit seinem Pianointro und dem Einsatz von Streichern und Bläsern der vielleicht "melodischste" Moment auf "Death Magnetic", "Broken, Beat & Scarred" wird durch sein Mitgröhlpotential live der Knaller sein. Schwachpunkte sucht man vergeblich. Die vier Bay Area Trasher nehmen uns mit auf eine musikalische Achterbahnfahrt par excellence, an deren Ende nicht etwa der Magen rebelliert, sondern man am liebsten eine Endlosschleife buchen würde.
Auch deshalb, weil "Death Magnetic" kein Album ist, das sich gleich beim ersten Hören erschließt. Wirkt es zunächst noch etwas sperrig, entfaltet es erst mit zunehmender Zeit all seine Nuancen und immer wieder neuen Facetten. Das ist Stoff aus dem Klassiker sind! Was noch? Dass man sich beim Durchblättern des Booklets bis auf den Boden eines Sarges "durchgräbt" ist eine witzige Idee (leider leidet die Lesbarkeit der Songtexte darunter). Und "Death Magnetic" ist eigentlich das erste richtige Album mit Bassmann Robert Trujillo, der erst kurz nach der Fertigstellung von "St. Anger" zur Band stieß. Zwar werden sich Metallica mit "Death Magnetic" wohl kaum viele neue Freunde machen, dafür aber eine Menge ihrer alten Fans zurückgewinnen. Respekt! Grösser, lauter und besser als je zuvor: Metallica sind wieder da! Und spätestens jetzt sollten all die sogenannten Nu Metal-Bands den Schwanz einziehen und winselnd das Weite suchen.