Michael Bublé

Call Me Irresponsible

Veröffentlicht: 27.04.2007 / Reprise / Warner

Von: Andreas Weist

Michael Bublé

Als ich „Feeling Good“ vom 2005er Album „It’s Time“ die ersten Male im Radio hörte, dachte ich „Cool, der neue James Bond-Song“. Dem war dann natürlich nicht so, aber das Interesse für Bublés Musik war trotzdem geweckt. Immerhin gab es auch Charterfolge zu vermelden, z.B. Platz 2 in Deutschland – für ein Swing-Album recht ungewöhnlich. Das hatten bisher nur Robbie Williams und die No Angels geschafft.

Sein Repertoire bestand und besteht vor allem aus Klassikern und Standards, die er neu arrangiert und interpretiert. Auf sein drittes Album „Call Me Irresponsible“ haben es mit „Lost“ und „Everything“ immerhin zwei Eigenkompositionen geschafft. Die Art und Weise, wie die Klassiker, sei es aus den 30er oder den 60er Jahren, in ein neues Licht gesetzt werden, ist sicher hoch zu bewerten, aber ich würde dem Kanadier mehr Mut wünschen, denn seine eigenen Songs stehen dem in nichts nach.

„The Best Is Yet To Come“, im Original von Cy Coleman, kann zu Beginn als Motto ausgegeben werden. Großartige Bläserarrangements, dezent eingesetzte Percussions und man fühlt sich in die Zeit schwarz-weißer Filmklassiker zurückversetzt. „It Had Better Be Tonight“ mischt lateinamerikanische Klänge mit dem bereits erwähnten James-Bond-Feeling. Die Begeisterung für die Swing- und Jazz-Ära liegt in Bublés Stimme. Das wirkt einerseits nostalgisch, gibt den Standards aber auch in der Gegenwart neuen Raum (ähnlich wie dies Robbie Williams vor einigen Jahren gelungen ist).

Getragen kommt „Me And Mrs. Jones“ daher. Schon hundertmal gehört, aber in dieser intensiven Version wieder zeitlos schön. Es folgt eine Swing-Version von Leonard Cohens „I’m Your Man“, die mich nicht so recht überzeugen kann. Dann jedoch das rhythmisch starke „Comin’ Home Baby“, im Duett mit Boyz II Men. Sehr erfrischend.

„Lost“ als erster eigener Song ist sanft von Piano und Streichern unterlegt und lebt von Bublés ausdrucksstarker Stimme, die in Höhen und Tiefen überzeugt. Ein starkes Stück Musik, das zeigt, dass auch eine gute Pop-Ballade ihren Platz auf diesem Album finden kann.

Direkt zurück in die 60er versetzt mich dann „Call Me Irresponsible“, bevor im Duett mit Ivan Lins der Clapton-Klassiker „Wonderful Tonight“ in einer wundervoll zarten Version mit minimal eingesetzter Gitarre, dafür aber mit viel Streichern und Percussion erklingt.

„Everything“ ist die radiotaugliche Eigenkomposition. Auch hier mehr Pop als Swing und sehr eingängig. Ein Charterfolg ist gesichert und ich wünsche mir eigentlich, ein ganzes Album in diesem Stil zu hören. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

„I’ve Got The World On A String“ kann mich nicht so recht begeistern, aber die träumerische Version des Klassikers „Always On My Mind“, an der sich schon Elvis und die Pet Shop Boys in flotteren Versionen versucht haben, gefällt mir in diesem Stil sehr gut

Dann noch „That’s Life“ mit einem interessanten Gospel-Intro und das abschließende „Dream“, das mir dann doch eine Spur zu ruhig ist und als Hommage an die 40er / 50er etwas zu langatmig rüberkommt. Filmmusik zwar (vor meinem geistigen Auge schlendern Doris Day und Rock Hudson um die Ecke), aber mit synthetischen Flöten und wiederum Streicherarrangements zu sehr in die Länge gezogen.

Trotzdem – ein gutes Swing-Album. Und auch für Musikfreunde hörenswert, die im Allgemeinen nicht so nostalgisch veranlagt sind. Kein Album für jeden Tag, aber bei einem feinen Essen und einer guten Flasche Wein könnte ein romantischer Abend draus werden.

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