Der Name kommt mir nicht bekannt vor

Er heißt Michy Reincke, kommt aus Hamburg, sein Name kommt mir nicht bekannt vor und er veröffentlicht ein Album am 23. Dezember – nicht gerade die besten Aussichten, um einen Chartbreaker zu landen. Schade eigentlich, denn das locker-lässige Ergebnis kann man sich sehr gut anhören. Erwachsenen-Pop von der ganz anspruchsvollen Sorte.
Michy singt mit sanfter, fast schon flauschiger Stimme und bringt die Menschen zum Zuhören. Das hat französischen Charme – als versuche er, Chansons in deutscher Sprache zu produzieren. Der Hang ins Nachbarland kommt noch aus einer Zeit, als er mit Felix De Luxe deren einzigen Hit hatte. Ihr kennt die Band nicht? Aber 100%ig den Song: "Taxi nach Paris".
Heute sind die Songtitel weniger prägnant. "Das schönste traurige Mädchen mit der schlechtesten Laune der Welt" verrät im Titel schon die meisten Inhaltsmomente. Michy veröffentlicht auf seinem eigenen Label – Rintintin Musik. Das heißt, er muss sich auf keine Kompromisse einlassen. So klingen auch seine Lieder. Meist singt er nicht, er erzählt – Geschichten von sich, seinen Liebsten, lässt den Gedanken freien Lauf. Du musst einfach zuhören, wenn er dich einmal gepackt hat. Ähnlich wie bei Anna Depenbusch, mit der zusammen er den 68er Song "Waterloo Road / Oh, Champs-Elysées" interpretiert.
"In Hamburg ist das anders" wirkt als wunderschöne Hymne an die Heimat. Es gibt Songs voller Trost ("Du brauchst keine Angst zu haben") und schmerzhafter Erinnerungen ("Du brennst immer noch ein Loch in mein Herz"). Eine bunte Mischung eingängiger Popsongs mit melancholischem Einschlag. Das klingt Retro und modern zugleich. Zum Abschluss des Jahres 2011 ein überraschendes Album, das berührt.