Moke

The Long & Dangerous Sea

Veröffentlicht: 30.04.2010 / Island / Universal Music

Von: Andreas Weist

Moke

Was die Covergestaltung angeht, haben Moke schon mal einen großen Sprung nach vorn gemacht. Zumindest wird kein Bandmitglied mehr im Britpop-Style avantgardistisch in den Mittelpunkt gerückt. Musikalisch allerdings ist vieles beim alten geblieben. Das Quintett gründete sich 2005 in Amsterdam und hat sich von Beginn an britischen Tönen verschrieben. So durfte man sich dann auch über Einladungen zu Festivals wie "London Calling" und "Pinkpop" freuen und die Tourneen bekannter Heroen wie Paul Weller, Keane und Razorlight supporten.

Nun erblickt also das zweite Album der Niederländer das Licht der Welt. Mit "The Long & Dangerous Sea" können sie wohl kaum den gefährlichen Seeweg von Holland nach Großbritannien gemeint haben, doch stilistisch führt die Reise immer noch in das quasi benachbarte Königreich. Moke versuchen sich recht gekonnt in groß angelegter Popmusik – mit viel Keyboard und breiten orchestralen Parts, die den Songs einen hymnischen Touch verleihen. So wildert man munter in den Gefilden von U2 und Depeche Mode oder (für alle, die sich da wohler fühlen) von Coldplay und Keane. Das wird von der Fangemeinde sicher gern gesehen, doch es bleibt der Nachgeschmack, dass innovative Ideen auf sich warten lassen. Zumindest im ersten Drittel des Albums.

Bei der gefühlvollen Ballade "Nobody’s Listening" werde ich dann schon eher hellhörig. Ab hier kommt unerwartet Leben in die Bude und gerade dieses Stück ist ein geniales, breit angelegtes Epos, das sich vielfältig in die Ohren schleicht. Kraftvoll und energisch gewinnt auch "Ghost" mit prägnanten Gitarren meine Aufmerksamkeit und "Terrible End" lädt mit einem Wechsel aus lauten und leisen Tönen sowie eindringlichen Rhythmus-Spielereien zu elegischen Träumereien ein. "Lament" ertönt zum orchestralen Ausklang, womit das Album aber noch nicht zu Ende ist.

Als Bonustracks haben Moke fünf der elf Songs ihres Debütalbums mit drauf gepackt, die in akustischen Versionen plus Streichersektion dargeboten werden. Der "Emigration Song" lebt ganz von leisen Gitarrenklängen, "Last Chance" gibt den Streichern mehr Raum. Felix Maginns Stimme kann sich hier in voller vokaler Stärke entfalten – egal, ob die Begleitung mit zartem Stakkato ("This Plan") aufwartet oder als melancholisches Pianostück daher kommt.

Moke haben einen Schritt nach vorne gemacht – wenn es auch noch ein weiter Weg bis zur Europa-Liga sein wird. Die orchestralen Arrangements tun dem Quintett hörbar gut. Vielleicht ist das der Weg, den sie von nun an in letzter Konsequenz einschlagen sollten, um eine Art von Alleinstellungsmerkmal zu haben.

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