Motorpsycho

Roadwork Vol. 4: Intrepid Skronk

Veröffentlicht: 29.04.2011 / Stickman / Indigo

Von: Thomas Welsch

Motorpsycho

Intrepid was?! "Intrepid Skronk" ist der Titel des vierten Teils der offiziellen Livealben von Motorpsycho. Der Begriff Skronk geht wohl auf Robert Christgau, einen US-amerikanischen Musik-Journalisten zurück, der so den schwer zugänglichen Art-Punk und No Wave der späten 70er Jahre bezeichnete. Analog dazu beurteilen die Norweger ihr Livealbum als nicht unbedingt geeignet für einen seichten Einstieg in ihr musikalisches Schaffenswerk. Auf dem CD-Cover raten sie dem unbedarften Interessenten, sich zunächst mit ausgewähltem Studiomaterial vertraut zu machen, bevor man sich an dieses Album wage. Dahinter steckt der Gedanke, dass ein Song wie "The Bomb-Proof Roll & Beyond" schon in seiner Studio-Variante eine gewagte Soundcollage ist, in "Roadwork 4" aber zu einem epischen 20-minütigen Trip mutiert, der nach zwischenzeitlicher Dekonstruktion den Weg zurück aus jenseitigen Sphären findet. Die zu hörende Version stammt vom letztjährigen Auftritt in Leipzig und gilt in Fankreisen bereits als legendär. Ihre Nominierung für das vorliegende Live-Album verwundert demnach nicht.

So mutig Motorpsycho bei Livekonzerten sind, indem sie sich auf Improvisationen einlassen, bei denen selbst die Beteiligten keine Ahnung zu haben scheinen, wohin sie führen, so perfektionistisch sind sie, wenn es um die Veröffentlichung von Live-Material geht. Es galt aus zahlreichen Konzerten der Jahre 2008 bis 2010 die Nadeln im Heuhaufen zu finden, die den Auswahlkriterien standhielten. Es ist wohl vor allem Bassist Bent Sæther, der in dieser Hinsicht die Messlatte sehr hoch legt. "All Is Loneliness" aus dem holländischen Haarlem hielt den Anforderungen stand. Kaum zu glauben, dass hier zwei Gitarren eine riesige Range abdecken. Auf den Bass wird entsprechend verzichtet. Der Song entwickelt sich zu einem funklastigen Jam, getragen von den fantastischen Drums Kenneth Kapstads. Seit er am Schlagzeug sitzt, haben Motorpsycho nicht nur zu alter Stärke zurückgefunden, sie sind besser als je zuvor! Und "Roadwork 4" darf als schlagender Beweis für diese von vielen geteilte These gesehen werden.

Ein heimliches Highlight des Albums ist mit "Wishing Well" ein bisher wenig beachteter Song. In seiner Originalversion ein lediglich auf einer EP veröffentlichtes Akustik-Stück. Auf "Intrepit Skronk" ein unfassbar grooviger Song. Sæthers Bass übernimmt mal eben den Part der Akustik-Gitarre. Auf diesem Fundament, erhebt sich Hans Magnus Ryans Gitarre über alles und hinterlässt offene Münder. "Landslide" aus der poppigen Phase der Band wird in seiner aktuellen Live-Variante wohltuend durch jazzige Rhythmen aufgelockert. Jeder Song ist auf einem anderen Konzert in Italien, den Niederlanden und Deutschland aufgenommen worden. Durch die äußert professionelle Nachbearbeitung wird dennoch ein homogenes Live-Erlebnis beim Hörer erzeugt. Das an Sonic Youth erinnernde "Kill Devil Hills" steigert sich nach harmonischem Beginn zu einem massiven Noisegewitter und "The Alchemyst" macht noch einmal deutlich, dass selbst der Gesang des Frontduos beindrucken kann.

Und jetzt das Ganze wieder von vorn bitte, denn "round and round and round we go", ganz wie im Opener besungen. Und immer dran denken: PLAY IT LOUD!  

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