Neal Morse

Testimony 2

Veröffentlicht: 20.05.2011 / InsideOut / EMI

Von: Andreas Weist

Neal Morse

Nachdem Neal Morse in den vergangenen Jahren mit der Reunion von Transatlantic für Furore sorgte, schlägt er auch solo wieder zu. "Testimony 2" heißt das neue Werk und knüpft nahtlos an das umjubelte Debüt "Testimony" aus dem Jahr 2003 an. Damals hatte der Gute gerade (aus religiösen Gründen) die Band Spock’s Beard verlassen und die Prog-Gemeinde trauerte dem genialen Frontman lange nach. Zumindest bis klar war, dass auch seine Solowerke astreinen Progrock zu bieten habe. Mit einem Unterschied: Neal Morse widmet sich hauptsächlich religiösen, durch und durch christlichen Themen. Das mag nicht jedem gefallen, doch wenn man seine Lebensgeschichte und seine weiteren Aktivitäten verfolgt, ist dieses Vorgehen absolut authentisch. Neal glaubt daran, was er tut – und allein dafür sollte man ein Auge zudrücken. Es wird ja niemand gezwungen, sich bekehren zu lassen.

Denn – und das vorne weg – auch "Testimony 2" ist ein sehr religiöses Werk. Das war bei dem Albumtitel und Songs wie "Jesus Blood", "Jesus Bring Me Home" und "Crossing Over Mercy Street" auch nicht anders zu erwarten. "Testimony" war ein sehr autobiographisches Album und "Testimony 2" schließt nahtlos daran an. So nahtlos, dass Neal die Nummerierung des Albums mit "Part Six" bis "Part Eight" fortführt. Mir liegen leider noch keine Lyrics vor, aber wenn man dem Pressetext glauben kann, geht es inhaltlich um die Geschichte Neals von den Zeiten mit Spock’s Beard bis zum Verlassen der Band.

Musikalisch ist "Testimony 2" ein absolutes Highlight. Fans von Spock‘s Beard und Transatlantic werden begeistert sein. Das Album führt weit in die Glanzzeiten des Prog zurück und bietet alles, was der Neoprogger zum Glücklich-sein braucht. Zum Beispiel "Time Changer" mit einer klaren Reminiszenz an das bislang beste Spock’s Beard-Album "V". A cappella eingesungene, mehrstimmige Passagen und ein Keyboard wie vom anderen Stern. Symphonische Elemente sind ebenso vertreten wie der außergewöhnliche Einsatz von Blechbläsern zum Ende des Albums. Neal Morse übertrifft sich selbst und bekommt dafür Unterstützung von Mitstreitern wie Paul Bielatowicz (Carl Palmer Band), Matthew Ward  (2nd Chapter Of Acts) und der Nashville Symphony. Zudem gibt es – passend zum Thema – eine Art Spock’s Beard-Reunion: Nick D’Virgilio, Alan Morse und Dave Meros sind mit von der Partie und geben ihr Teil zum unvergleichlichen Sound bei. So wird die erste Disc des Doppel-Albums zum proggigen Highlight 2011.

Genau – die erste Disc. Es gibt nämlich noch eine zweite. Ganz genau erfasse ich den Zusammenhang nicht. Hier verlässt Neal die Nummerierung, somit gehören die drei Songs von Disc 2 wohl nicht zum "Testimony"-Konzept. Auch musikalisch fallen sie aus dem Rahmen. Mehr retro, stärkerer Keyboard-Einsatz. Stilistisch vielleicht Überbleibsel vom "Lifeline"-Release. Zumindest ist mit "Seeds Of Gold" ein 26-Minuten-Epos dabei und Steve Morse (Deep Purple) trägt ein exzellentes Gitarrensolo bei. Dennoch erscheint mir Disc 2 im Vergleich zum Hauptwerk etwas belanglos und hat eher den Charakter einer Bonus-Disc.

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